PerspektivenwechselWie Sie Karriere machen und nicht die Bodenhaftung verlieren

Bei Michael K. läuft alles wie geschmiert: Er besteht sein Diplom in Mathematik in einer renommierten Universität in Süddeutschland mit 1,0. Danach beginnt er bei einem großen Versicherungsbüro als Mathematiker zu arbeiten. Einige Jahre später wird ihm ein Führungsposten in der Versicherung angeboten, den er mit Bravur ausführt. Ein Headhunter wirbt ihn 5 Jahre später ab für einen Vorstandsposten bei der Konkurrenz. Michael K. denkt nicht lange darüber nach und nimmt den Posten an. Mit seiner Familie zieht er in eine Villa am Stadtrand, zu Terminen holt ihn meist ein Chauffeur ab und er diniert nur noch in teuren Restaurants. Er führt ein Leben im Luxus. Eines Morgens beim Frühstück hat er plötzlich das Gefühl, als ob seine ganze rechte Seite taub ist, ihm ist schwindelig und er kann sich kaum bewegen. Michael K. schluckt eine Schmerztablette und lässt sich zu seinem nächsten Termin fahren.

Als er abends zurückkommt, ist ihm immer noch schwindelig und die Lähmungserscheinungen sind kaum zurückgegangen. Seine Frau ist besorgt und ordert an: „Wir gehen sofort zum Notarzt.“ Erst wehrt sich ihr Ehemann, schließlich läßt er sich überzeugen und willigt schließlich ein. Dort angekommen diagnostiziert der Arzt: Schlaganfall. Und Michael K. muss sofort ins Krankenhaus. Die Folgen sind verheerend: Der erfolgreiche Manager bleibt auf Dauer einseitig gelähmt, kann kaum mehr sprechen und wird wahrscheinlich im Rollstuhl sitzen müssen. An Arbeiten ist kaum mehr zu denken. Auch wenn er versichert ist: Sein Leben ändert sich von einem Tag auf den anderen in jeder Hinsicht. Michael K. wird damit nicht fertig. Sein Leben ist immer wie geschmiert verlaufen – in beruflicher, finanzieller, familiärer und auch gesundheitlicher Hinsicht. Kaum ein Stolperstein lag bisher auf seinem Lebensweg. Jetzt hat sich alles verändert. Michael K. geht nach seiner Krankheit zur Physiotherapie und zur Logopädie. Freunde raten ihm, auch einen Psychologen aufzusuchen. Doch er wehrt sich dagegen. „So tief will ich nicht sinken, dass ich sogar zu einem Seelenklempner gehen muss“, sagt er immer wieder. Der ehemalige Vorstand zögerte lange. Irgendwann ist der Leidensdruck so stark, dass er schließlich doch zum Psychologen geht. Der Psychologe, ein erfahrener Mann, hört Michael K. lange zu. Dann sagt er kurz: „Sie haben im Laufe der Jahre die Bodenhaftung verloren.“ Der Patient ist zunächst entsetzt und denkt lange über sein Leben, das bisher keine Einschnitte hatte, nach. Dann stimmt er innerlich dem Psychologen zu.

Wenn alles wie geschmiert im Leben läuft und ein Karriereschritt nach dem nächsten folgt, und es finanziell auch immer bergauf geht, verlieren manche Menschen die Bodenhaftung. Sie leben in Ihrer Blase und merken gar nicht, dass es Menschen gibt, denen es finananziell nicht so gut geht.

Karriere-now gibt Ihnen 5 Tipps, wie Sie trotz Karriere nicht die Bodenhaftung verlieren:

1. Engagieren Sie sich ehrenamtlich

Wenn Sie Zeit haben, sollten Sie sich, auch wenn es nur einmal pro Monat ist, ehrenamtlich engagieren. Es ist egal, ob Sie sich um Flüchtlinge, ältere Leute oder Waisenkinder kümmern. Sie können auch für die Tafel Lebensmittel bei Supermärkten abholen oder diese an Bedürftige ausgeben.

2. Gehen Sie mit offenen Augen durch Ihre Stadt

Belächeln Sie nicht Bettler auf der Straße, sondern nehmen Sie sie als Mitmenschen wahr. Jeder von Ihnen hat seine eigene Geschichte und hatte vorher vielleicht auch ein besseres Leben. Wenn Sie Zeit haben, versuchen Sie doch mal mit dem einen oder anderen ins Gespräch zu kommen.

3. Lernen Sie Dankbarkeit

Seien Sie dankbar für das, was Sie haben und schielen Sie nicht gleich auf ein noch höheres Gehalt, wenn Sie vielleicht gerade eine Gehaltserhöhung erfahren haben.

4. Schauen Sie sich gut recherchierte Dokumentationen an

Es gibt jede Menge schlecht recherchierte Filme über soziale Ungerechtigkeiten in den privaten Sendern. Aber gerade in den öffentlich-rechtlichen Sendern sollten Sie sich gute Dokumentationen ansehen, die aufklären und nicht verklären wollen. Sie spiegeln oft soziale Eindrücke wieder, zu denen finanziell besser Gestellte in ihrem Alltag keinen Bezug haben.

5. Reisen Sie in fremde Länder

Reisen bildet – heißt es so schön. Nutzen Sie Ihren Urlaub nicht nur zum Erholen, sondern um neue Länder und neue Menschen kennenzulernen. Allein ein Thailand-Urlaub zeigt, dass manche Menschen schon mit wenig glücklich sein können. Oder Indien: Viele Urlauber bekommen nicht einen Kulturschock, wenn Sie dorthin reisen, sondern wenn Sie wieder zurück in Deutschland sind. Schärfen Sie Ihren Blick.

Über den Autor Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Betreiberin des Fachportals Karriere-now sowie als selbstständige Journalistin und  PR-Redakteurin der Agentur Carolin Fischer Text & PR tätig. Zuvor hat sie im PR-Bereich der Versicherungskammer Bayern und als Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung gearbeitet.

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