Beruf & KarriereFührung beeinflusst Profitabilität von Unternehmen entscheidend

Zu diesem Ergebnis kommt die von der Beratungsgesellschaft Mercer durchgeführte Studie „Lohnt sich Führung?“. Befragt wurden 100 Führungskräfte, HR-Top Manager und erfahrene Experten aus den Bereichen Führungskräfte- oder Organisationsentwicklung in Zentraleuropa.

Der Blick auf die Studienergebnisse zeigt, dass die individuelle Führungsleistung jedoch kritisch gesehen wird. Die Mehrheit der Befragten schätzt den Anteil der Führungskräfte, die eine wirklich gute Arbeit machen, auf gerade einmal 39 Prozent. Zu den fünf größten Hürden, die von Führungskräften selbst erlebt werden, gehören schlechte Governance (52 Prozent), Konkurrenz zwischen Führungskräften (41 Prozent), mangelnde Unterstützung durch den eigenen Vorgesetzten (41 Prozent), unrealistische Ziele (37 Prozent) und mangelnde Resilienz der Organisation (33 Prozent). Laut Studie könnten Unternehmen ihre Profitabilität im Schnitt um 2,4 Prozentpunkte steigern, wenn ein deutlich höherer Anteil ihrer Führungskräfte eine bessere Leistung zeigen könnte.

Die Erwartungen an Führung sind hoch und werden künftig wohl noch höher werden – nicht zuletzt durch allgegenwärtige Themen wie Digitalisierung, Arbeit 4.0, Diversity oder die demografische Entwicklung. Dem Personalbereich kommt bei der Bewältigung dieser Herausforderungen eine Schlüsselrolle zu, schließlich ist es die HR-Funktion, die Führungskräfte für ihre Aufgaben wappnen und den Grundstein für eine veränderte Führungskultur im Unternehmen legen soll.

Dieter Kern

Studienleiter und verantwortlich für die People & Organizational Excellence Practice bei Mercer Central Europe

Organisatorischer Wandel als zentrales Führungsthema

Die Untersuchung zeigt weiterhin eine zunehmende Bedeutung von Veränderungsarbeit und -kompetenz bei Führungskräften. Faktoren wie die technologische Innovation, die Dynamisierung gesellschaftlicher Verhältnisse oder veränderte Kundenerwartungen schlagen sich deutlich in den Unternehmen nieder. So sind fast 90 Prozent der Studienteilnehmer der Auffassung, dass die Veränderungsgeschwindigkeit in Unternehmen über die vergangenen Jahre zugenommen hat – für 46 Prozent sogar „massiv und deutlich sichtbar“. Nur 5 Prozent der befragten Unternehmen haben keine signifikante Reorganisation innerhalb von 24 Monaten durchgeführt.

Folglich gibt es in Sachen „Change“ für die Führungskräfte viel zu tun: In jedem vierten Unternehmen nimmt die Veränderungsaufgabe bis zu 10 Prozent der Gesamtarbeitszeit einer Führungskraft in Anspruch. In 6 Prozent der Unternehmen müssen Führungskräfte sogar 61 bis 80 Prozent ihrer Tätigkeit für Change aufwenden. „Bei organisationalen Veränderungen stehen Führungskräfte unter hohem Druck. Das Top-Management erwartet eine rasche, überzeugte und überzeugende Umsetzung – und die Mitarbeiter erwarten, dass die Auswirkungen der Veränderung auf ihre konkrete Arbeitssituation verlässlich interpretiert werden“, so Kern.

Führungskräfte müssen kooperativ und kommunikationsstark sein

Laut Studie ist der erwünschte Führungsstil in 36 Prozent der Unternehmen „partizipativ-kooperativ„. Bei 13 Prozent ist der „transformatorische“ Führungsstil gefragt – vor allem in Unternehmen, die in den vergangenen Jahren eine höhere Anzahl von Reorganisationen zu verzeichnen hatten. Weit abgeschlagen rangieren dagegen der „charismatische“ Führungsstil (7 Prozent) und „Shared Leadership“ (4 Prozent). Die Untersuchung zeigt auch: 12 Prozent der Unternehmen haben gar keinen erwünschten Führungsstil definiert.
Bei den Top-5-Eigenschaften, die eine gute Führungskraft in den kommenden Jahren besitzen sollte, wurde der höchste Kompetenzwert auf einer Skala von 1 („irrelevant) bis 5 („sehr wichtig“) für die „Veränderungsbereitschaft“ ermittelt (4,6). Gleichauf liegen die Eigenschaften „Prioritäten setzen“ und „Kommunikationsfähigkeit“ (4,6), gefolgt von „strategischem Denken“ (4,5) und „Veränderungen umsetzen“ (4,4).

Die Tatsache, dass in jedem vierten Unternehmen die Besetzung von Führungspositionen „mehr oder weniger einfach irgendwie passiert“ lässt ein deutliches Verbesserungspotenzial erkennen, so der Experte Dieter Kern: „Unternehmen sollten zumindest bei Schlüsselpositionen und -personen auf zeitgemäße diagnostische Verfahren setzen, die mehrere Instrumente und Datenpunkte kombinieren.“

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