Soft SkillsNatürliches Netzwerken kann man (frau) lernen!

Männer sind geübter im „natürlichen Netzwerken“ als Frauen. Foto: ©geralt/Pixabay.com

Es liegt wohl daran, dass Männern das „natürliche Netzwerken“ anscheinend in die Wiege gelegt wurde. Die gute Nachricht ist: Man(n) – oder besser gesagt Frau – kann das lernen. Dass die meisten Frauen immer noch seltener auf der Karriereleiter hochklettern als Männer ist auch eine Frage der unterschiedlichen Kommunikation beider Geschlechter. Frauen wird oft vorgeworfen, sie seien ja nicht sichtbar. Doch es geht nicht um die Sichtbarkeit, sondern um das Gehört werden. Und das mit den richtigen Themen.

Über den Job reden: Auch privat

Gerade im informellen Netzwerken können sich Frauen einiges bei ihren männlichen Kollegen abschauen. Diese kommunizieren auch im privaten Umfeld wesentlich offensiver berufliche Themen. Einfach weil es zu ihrer Persönlichkeit und ihrem Leben dazugehört. Hier zwei persönlich erlebte Beispiele: Zwei junge Väter schieben ihre Einkaufswagen im Supermarkt vor sich her und unterhalten sich. Der eine erzählt von einem schwierigen Projekt, an dem er gerade arbeitet, später schwenken die beiden auf Schweinsteigers letztes Spiel und verabreden sich schließlich zum Joggen. Andere Szene: In einer Kinoschlange unterhalten sich zwei Männer um die 30 über ihr Business, die Freundinnen dahinter über neuen Nagellack.

Männer haben im privaten Smalltalk ein Gesprächsrepertoire, das sich vom neuesten Smartphone-Feature über ein berufliches Projekt bis zum Marathon am Wochenende erstreckt. Im informellen Netzwerken sind Männer Weltmeister, denn der Themenmix aus Privatem, Hobby und Beruf transportiert ganz nebenbei Informationen zur Person, der fachlichen Qualifikation und den beruflichen Ambitionen.

So entsteht über Kollegengespräche in Kombination mit Talks im privaten Umfeld ein unsichtbares Netz an Informationen über Personen, die bei Bedarf angezapft werden oder die oft sogar aktiv weitergereicht werden. Im Laufe der Zeit bilden sich Beziehungsgeflechte, in dem der eine was für den anderen tut und das manchmal auch über mehrere Ecken – ich kenne einen, der einen kennt, der einen kennt – man(n) kennt das ja. So entstehen Synergien außerhalb von formellen Strukturen und Netzwerken. In der Kinoschlange, beim Grillen oder in der Kantine.

Netzwerken? Berufliche Themen kommen bei Frauengesprächen oft zu kurz

Wenn Frauen zusammenkommen, sei es beruflich oder privat, reden sie sehr schnell über private Themen – das Gespräch über aktuelle berufliche Themen oder die eigene Karriereplanung kommt eher zu kurz. Das liegt im Wesentlichen daran, dass Frauen sich bis heute noch viel weniger über den Job definieren als es Männer tun. Oft sind sich Frauen ihrer Kompetenzen auch nur unzureichend bewusst. Dabei gibt es so viele Möglichkeiten über das zu reden, was sie an Kompetenzen und Erfahrungen im Beruf zu bieten hat – doch bisher nutzen Frauen diese Gelegenheiten nicht für die Verwirklichung der berufliche Pläne oder Ziele.

Erweitern Sie deshalb im privaten Smalltalk Ihr Gesprächsrepertoire, nehmen Sie ganz natürlich auch berufliche Themen dazu, auch wenn’s am Anfang schwer fällt, weil es ungewohnt ist. Und beginnen Sie mit dem „natürlichen Netzwerken“.

Über den Autor Christina Kock

Christina Kock gehört zu den führenden Karriere- und Outplacement-Beratern in Deutschland. Mit ihrer vielseitigen und analytischen Beratung arbeitet sie mit systematischer Selbstreflektion an neuen Perspektiven. Das führt zu klaren Positionierungen und eindeutiger Richtungsgebung. Als ehemalige Managerin mit eigener Karriere bis zum Vorstand ist sie für ihre Kunden eine versierte Sparringspartnerin auf Augenhöhe. Ihre Spezialität sind die Potentiale des verdeckten Arbeitsmarkt. www.dom-consulting.com  

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