Wenig Quereinsteiger gesuchtMehr Jobs in der Beratungswirtschaft

Wirtschaftswissenschaftler in der Beratungswirtschaft sind sehr gefragt – Geisteswissenschaftler weniger. Foto: ©niekverlaan/Pixabay.com

Die Metajobsuchmaschine Joblift ging daraufhin der Frage nach, ob dieser Aufschwung ebenfalls für ein Wachstum der Stellen in der Beratungswirtschaft sorgt und inwiefern sich das Berufsprofil angesichts sich verändernder Rahmenbedingungen wandelt. Eine Untersuchung der rund 135.000 Beraterstellen der letzten beiden Jahre ergibt in der Tat, dass allein im ersten Quartal 2017 rund 3.000 Jobs mehr ausgeschrieben wurden als im selben Zeitraum des Vorjahres. Die Zugangsvoraussetzungen ändern sich hingegen kaum – ein wirtschaftswissenschaftlicher Studienabschluss wird etwa rund 93-mal häufiger verlangt als ein geisteswissenschaftlicher. Was die gefragtesten Persönlichkeitseigenschaften angeht, laufen Kommunikationstalent und Teamgeist jedoch klassischen Beraterkompetenzen wie Analysevermögen den Rang ab.

Die Digitalisierung ist fünfmal häufiger Beratungsgegenstand als die Globalisierung Insgesamt schrieb die deutsche interne und externe Beratungsindustrie 135.479 Stellen in den vergangenen 24 Monaten aus – IT-Berater ausgenommen. Die allgemein gute wirtschaftliche Lage spiegelt sich auch im Beschäftigungstrend seitens der Beratungswirtschaft wider: Im ersten Quartal 2017 wurden 116 % mehr Beraterstellen ausgeschrieben als im selben Zeitraum des Vorjahres.

Betrachtet man die Felder, mit denen sich die Beratungsindustrie den Jobbeschreibungen zufolge verstärkt beschäftigt, dann liegt die Digitalisierung vorne – insgesamt 6.236 Ausschreibungen kündigen diese als zentralen Gegenstand der Tätigkeit an. Es folgt, eng damit verknüpft, die Industrie 4.0 mit 3.475 sowie die Automatisierung mit 2.851 Nennungen in den Stellenanzeigen. Die Globalisierung scheint dagegen eine nachgeordnete Rolle zu spielen: Nur 1.689 Anzeigen erwähnen diese in der Profilbeschreibung.

Wirtschaftswissenschaftler werden 93-mal häufiger zu einer Bewerbung in der Beratungswirtschaft aufgefordert als Geisteswissenschaftler

Die oftmals aufgestellte These, Unternehmensberatungen stellen zunehmend auch Quereinsteiger ein, um neue Potenziale zu entfalten, bestätigt sich zumindest in den Stellenanzeigen kaum. Die am häufigsten geforderte Zugangsvoraussetzung ist der Analyse nach ein wirtschaftswissenschaftliches Studium mit 31.738 Nennungen, davon 15.770 und 3.194 mit klarem Fokus auf BWL beziehungsweise VWL. Es folgen Abschlüsse in (Wirtschafts-)Informatik sowie (Wirtschafts-)Ingenieurwesen mit 29.973 und 16.247 Erwähnungen. Während naturwissenschaftliche Studiengänge immerhin noch 11.079 genannt werden, werden Geisteswissenschaftler nur 343-mal ausdrücklich dazu aufgefordert, sich in der Beratungswirtschaft zu bewerben. 1.372 Anzeigen ermutigten wortwörtlich „Quereinsteiger“ aus wirtschaftsfremden Studiengängen dazu, eine Laufbahn in der Unternehmensberatung einzuschlagen.

Teamgeist gewinnt gegenüber klassischen Beraterfähigkeiten wie Analysevermögen und Einsatz an Bedeutung

Joblift betrachtete ebenfalls die am stärksten nachgefragten Persönlichkeitseigenschaften. Die beliebtesten Merkmale sind demnach Kommunikationsstärke mit 40.356 Nennungen, Teamgeist (32.113-mal aufgeführt) sowie analytische Fähigkeiten (30.668-mal erwähnt). Es folgen Engagement (23.454 Nennungen) und Anpassungsfähigkeit (17.677 Erwähnungen) in der Beratungswirtschaft. Die Kompetenzen entsprechen im Großen und Ganzen dem klassischen Anspruch an Berater, stetig neue Zusammenhänge bei wechselnden Auftraggebern zu beleuchten, dabei vollen Einsatz zu zeigen und Empfehlungen überzeugend kommunizieren zu können. Die starke Wertschätzung von Teamfähigkeiten bringt jedoch auch einen Wandel des Berufsbilds zum Ausdruck: Beratungsfirmen können angesichts der zunehmend freien Verfügbarkeit von Informationen nicht mehr allein auf ihr Fachwissen setzen, sondern sind einem ständigen Innovationsdruck ausgesetzt, dem sie etwa durch kreative Teamarbeit begegnen können.

Quelle: Joblift.de

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