Wie kleiden beim Bewerbungsgespräch?Interview: Angemessene Kleidung im Vorstellungsgespräch

Gefragt ist Kleidung, die den Menschen als Bewerber unterstreicht. Die Job AG hat das Interview mit Renater Sperber geführt.

Sind Anzug und Krawatte beim Mann oder der Zweiteiler für Frauen noch immer ein „Muss“?

Renate Sperber: Nein. Es kommt immer darauf an, für welche Position man sich bewirbt, für welches Unternehmen oder welchen Beruf.

Welche Unterschiede gibt es zwischen den Branchen?

Renate Sperber: Der Anzug ist eher angemessen für jemanden, der sein Studium gerade absolviert hat oder sich für einen kaufmännischen Beruf bewirbt. Dagegen wirkt ein Handwerker im Anzug nicht gerade praktisch. Bewerber in diesen Branchen können aber statt eines T-Shirts ein Polohemd tragen. Durch den Kragen wirkt man gleich schicker und seriöser.

Wie sieht es bei Pflege- und Erziehungsberufen aus?

Renate Sperber: In diesen Berufen kann man sich deutlich legerer kleiden. Natürlich geht auch eine Jeans mit einem schlichten Pullover, einer Bluse oder einem Hemd. Es sollte nur nicht zu sehr ablenken. Hier sind freundliche Farben wie Hellblau, Grün und gedeckte Rot- oder Rosétöne gut, da sie sehr positiv wirken. Grell sollten die Farben nicht sein.

Welchen Stellenwert haben die Schuhe?

Renate Sperber: Schuhe prägen das Outfit stark und unterstreichen den Gesamteindruck, auf den es am Ende ankommt. Ich finde, dass geschlossene Schuhe sehr wichtig sind. Zu hohe Schuhe sind bei Damen nicht angemessen. Pumps sind im Gegensatz zu High Heels nicht zu hoch und sehen elegant aus. Wenn Bewerberinnen sich in flachen Schuhen wohler fühlen, können sie auch schicke Schnürschuhe oder schlichte Ballerinas tragen. Ich rate von Turnschuhen eher ab, auch wenn sie geputzt sind. Auch Sneakers haben immer einen Freizeit-Charakter. Das könnte so wirken, als würde man das Bewerbungsgespräch nicht ernst nehmen.

Woran kann man erkennen, auf was Unternehmen Wert legen, wenn es um das Outfit geht?

Renate Sperber: Oftmals erkennt man das an Bildern der Mitarbeiter auf den Internetseiten. Auch Berufsmessen bieten eine gute Möglichkeit dazu. Und falls man unsicher sein sollte, kann es nicht schaden, vorher bei der Firma anzurufen. So zeigt man, dass man sich dem Unternehmen anpassen möchte und Eigeninitiative ergreift. Dabei sollte der Bewerber besser bei der Assistenz nachfragen und nicht bei der Personalleitung.

Worauf sollten Männer und Frauen beim Styling und der Frisur achten?

Renate Sperber: Herren sollten nicht zu viel Haargel verwenden. Bärte sind momentan in Mode. Wer also einen trägt, sollte sich unbedingt den Hals rasieren und auf die Hygiene bei der Gesichtsbehaarung achten. Bewerberinnen und Bewerber sollten viel Wert auf frisch gewaschene Haare legen. Lange offene Haare sind für Männer noch tabu und sollten zusammengebunden werden. Damen können heutzutage lange Haare auch offen tragen, es muss keine Hochsteckfrisur mehr sein. Make-Up ist nicht zwingend nötig, kann aber für ein frisches und ebenes Hautbild sorgen. Es sollte aber schlicht bleiben. Die Hände sind überaus wichtig. Frauen sollten auf ausgefallene Nageldesigns verzichten. Auch Herren sollten auf ihre Hände achten und sie sauber und die Nägel kurz halten.

Welche Fehler sollte man unbedingt vermeiden?

Renate Sperber: Generell sollte die Kleidung weder zu weit noch zu eng sein. Manchmal sind beispielsweise die Sakkos oder die Anzüge zu groß. Manche Menschen verlieren dadurch an Ausstrahlung. Querstreifen, Schriftzüge und Aufdrucke wirken freizeitlich und sind ein No-Go. Bei Jeanshosen sollte man auf eine schlichte Waschung und ordentliche Passform setzen. Der „Used-Look“ ist momentan zwar modern, hat aber in einem Bewerbungsgespräch nichts verloren. Frauen sollten keine kurzen Röcke tragen oder einen tiefen Ausschnitt. Die Passform des Outfits darf auf keinen Fall sexy sein. Viele vergessen, dass der Geruch eine entscheidende Rolle spielen kann. Sowohl Frauen als auch Männer dürfen aber nicht zu viel Parfüm auftragen. Raucher sollten sich lieber eine Zigarette danach gönnen als eine davor.

Der Anzug ist eher angemessen für jemanden, der sein Studium gerade absolviert hat oder sich für einen kaufmännischen Beruf bewirbt. Dagegen wirkt ein Handwerker im Anzug nicht gerade praktisch.

Renate Sperber

Farb-, Stil- u. Imageberaterin

Welche Farben sind angemessen?

Renate Sperber: Lieber ruhigere Töne als bunt und knallig, denn der Mensch soll im Vordergrund stehen, nicht sein Outfit. Dunkelhaarige können starke Kontraste wie Dunkelblau zu Weiß und klare Farben sehr gut tragen. Zu blonden oder hellbraunen Haaren passen weichere Kontraste wie Dunkelblau zu Hellblau oder weiche Farben viel besser. So unterstreicht Ihre Kleidung Ihre natürlichen Kontraste. Ihre Augen strahlen besonders gut, wenn Sie ein Kleidungsstück in Ihrer Augenfarbe tragen. Zu braunen Augen können Sie jede dunkle Farbe unter dem Gesicht gut tragen, gerne mit hell kombiniert. Schwarz empfehle ich nicht zum Bewerbungsgespräch. Es könnte zu distanziert wirken.

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