Beruf & KarriereErstmals mehr als 100.000 unbesetzte Stellen für IT-Experten

Innerhalb von zwei Jahren hat sich damit die Zahl der unbesetzten IT-Stellen mehr als verdoppelt (2017: 55.000). Das ist das Ergebnis einer Studie zum Arbeitsmarkt für IT-Fachkräfte, die der Digitalverband Bitkom vorgestellt hat. Grundlage ist eine repräsentative Befragung von mehr als 850 Geschäftsführern und Personalverantwortlichen in Unternehmen ab 3 Mitarbeitern aus allen Branchen. 83 Prozent geben an, dass sie einen Mangel an Spezialisten auf dem Arbeitsmarkt erleben, vor zwei Jahren waren es erst 67 Prozent. Zugleich erwarten zwei Drittel (65 Prozent), dass sich die Situation in den kommenden Jahren weiter verschärfen wird. „Der Mangel an IT-Experten betrifft längst nicht mehr nur die IT-Branche, sondern die gesamte Wirtschaft und auch Verwaltung, Behörden und Wissenschaft. So wie sich die Digitalisierung beschleunigt, wird der Bedarf an IT-Fachkräften in den kommenden Jahren weiter stark steigen“, sagte Bitkom-Präsident Achim Berg. „Jede unbesetzte IT-Stelle kostet Umsatz, belastet die Innovationsfähigkeit der Unternehmen und bremst die nötige digitale Transformation. Der Mangel an IT-Experten bedroht die Wettbewerbsfähigkeit unserer gesamten Wirtschaft.“

In jedem sechsten Unternehmen bleiben IT-Stellen länger als ein halbes Jahr unbesetzt

Solche Jobs sind für die Unternehmen deutlich schwerer zu besetzen als andere Stellen. So geben 4 von 10 Unternehmen (40 Prozent) an, dass die Besetzung von IT-Stellen länger dauert als die anderer Positionen, vor einem Jahr waren es mit 31 Prozent noch deutlich weniger. Auch die Zeit, wie lange eine offene IT-Stelle im Schnitt unbesetzt bleibt, ist von fünf  auf sechs Monate gestiegen. In 18 Prozent der Unternehmen bleiben IT-Stellen in der Regel länger als ein halbes Jahr unbesetzt, vor einem Jahr war das nur in 10 Prozent der Unternehmen der Fall. Berg: „Die IT hat deutlich kürzere Innovationszyklen als andere Unternehmensbereiche. Eine Vakanz für ein halbes Jahr oder mehr ist eine kleine Ewigkeit und kann dazu führen, dass Projekte in andere Länder verlagert werden oder überhaupt nicht zustande kommen.“

Software-Entwickler werden besonders stark gesucht

Besonders begehrt sind Software-Entwickler. Jedes dritte Unternehmen mit mindestens einer offenen IT-Stelle (32 Prozent) sucht Programmierer. Dahinter folgen Anwendungsbetreuer (18 Prozent), Data Scientists (13 Prozent), Projektmanager (12 Prozent) sowie IT-Berater und Service-Manager (je 10 Prozent). „Der hohe Bedarf an Software-Entwicklern zeigt die gravierenden Veränderungen, die im Zuge der Digitalisierung in den Unternehmen stattfinden“, sagte Berg. „Software wird immer mehr zum Teil des Kerngeschäfts. Damit zieht die Software-Entwicklung quer durch alle Branchen in die Unternehmen ein und gewinnt dort massiv an Bedeutung.“

Gehaltsvorstellungen und Qualifikation der Bewerber passen nicht zusammen

Die Schwierigkeiten, die Unternehmen bei der Besetzung von IT-Stellen haben, sind vielfältig. Am häufigsten werden zu hohe (72 Prozent) und nicht den Qualifikationen entsprechende (52 Prozent) Gehaltsforderungen der Bewerber beklagt. 4 von 10 Unternehmen (41 Prozent) berichten von allgemein fehlender fachlicher Qualifikation der Bewerber und mangelhaften Testergebnissen im Auswahlverfahren (27 Prozent), oder aber es fehlt an notwendigen Kenntnissen neuer Technologien wie KI oder Blockchain (9 Prozent). Jedes dritte Unternehmen (32 Prozent) vermisst bei Bewerbern die notwendigen Soft-Skills wie Teamfähigkeit, jedes fünfte (20 Prozent) hat Bewerber, die nicht bereit sind, Dienstreisen oder einen Umzug zu machen. Jedes achte Unternehmen (12 Prozent) erhält auf ausgeschriebene Vakanzen praktisch überhaupt keine Bewerbungen. „IT-Experten können sich bei entsprechender Qualifikation ihren Job fast schon frei aussuchen“, so Berg.

Unternehmen sprechen IT-Spezialisten oft auf den falschen Kanälen an

Die Unternehmen wären aus Sicht von Berg gut beraten, die Ansprache von potenziellen Bewerbern zu verändern. So gibt eine breite Mehrheit an, dass Kandidaten sich bei ihnen per E-Mail (97 Prozent) oder schriftlich per Bewerbungsmappe (83 Prozent) bewerben können. Nur eine Minderheit setzt dagegen auf Online-Bewerbungs-Tools (26 Prozent) oder ermöglicht die Bewerbung mit einem Mausklick aus Business-Netzwerken heraus (6 Prozent). Gerade einmal 1 Prozent nutzt Bewerbungs-Apps. „Die Unternehmen müssen ihre Bewerbungsverfahren dringend an die digitale Welt anpassen. Um sich ein Bild von einem Software-Entwickler zu machen, hilft ein ausgedrucktes Anschreiben mit Zeugnissen und Arbeitsproben wenig. Eine knappe Mail mit Links zu erfolgreichen Projekten und deren Quellcode auf entsprechenden Plattformen ist da viel aussagekräftiger“, sagte Berg.

Unternehmen suchen online selbst nach geeigneten Kandidaten

Die Personalsuche wird sich in den kommenden Jahren stark verändern. So gehen 7 von 10 Unternehmen (70 Prozent) davon aus, dass das sogenannte Active Sourcing in den nächsten fünf Jahren deutlich an Bedeutung gewinnen wird. Dabei suchen die Unternehmen gezielt zum Beispiel in Business-Netzwerken oder auf Online-Plattformen nach geeigneten Kandidaten und schreiben diese an. Ebenfalls wichtiger werden Kooperationen mit Hochschulen (59 Prozent), Headhunter und Personalvermittlungen (58 Prozent), Karrieremessen (54 Prozent), Online-Stellenbörsen (52 Prozent) sowie Business-Netzwerke (51 Prozent). Dagegen werden klassische Kanäle zur Mitarbeitersuche wie die Printausgabe von Zeitungen (84 Prozent) oder Fachmagazinen (76 Prozent) ebenso an Bedeutung verlieren wie die Arbeitsagentur (42 Prozent) und die Online-Ausgaben von Tages- und Wochenzeitungen (36 Prozent).

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Foto/Thumbnail: @Michael Schwarzenberger/Pixabay.com

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