Job + Gehalt

Beschäftigte leisten im Schnitt fast 50 Extra-Stunden pro Jahr

Überstunden gehören für viele Beschäftigte in Deutschland zum Alltag. Eine aktuelle Umfrage der Jobbörse jobtensor zeigt: Arbeitnehmer leisten durchschnittlich 49,5 Überstunden pro Jahr – meist ohne finanzielle Vergütung. Stattdessen erfolgt der Ausgleich überwiegend über Freizeit, während Mehrarbeit nur selten ein Grund für einen Jobwechsel ist.

Deutsche Beschäftigte leisten eigenen Angaben zufolge im Schnitt 49,5 Überstunden pro Jahr. Das ist das Ergebnis einer aktuellen, repräsentativen Umfrage der Jobbörse jobtensor.com, für die bundesweit 1.056 Beschäftigte zu ihrem Arbeitsaufwand befragt wurden. Demnach leisten die Deutschen rein rechnerisch mehr als eine zusätzliche Arbeitswoche pro Jahr.

Hintergrund zu diesem beruflichen Mehraufwand

Bei einem erheblichen Teil der Belegschaften gehören Mehrstunden regelmäßig zum Joballtag. So geben genau die Hälfte der Befragten an, regelmäßig Überstunden zu leisten. Lediglich eine Minderheit der Beschäftigten gibt an, gar keine Mehrarbeit zu leisten. Das jedenfalls antworten gerade einmal 17% aller Befragten. Sieben von zehn Arbeitnehmer*innen (70 %) arbeiten zudem eigenen Angaben zufolge zumindest gelegentlich über die vertraglich vereinbarte Arbeitszeit hinaus.

Kompensation erfolgt meist durch Arbeitszeit, nicht durch Geld

Ob und wie die zusätzlich geleisteten Stunden ausgeglichen werden, unterscheidet sich je nach Unternehmen. Am häufigsten können Beschäftigte ihre Überstunden durch Freizeitausgleich „abfeiern“: Insgesamt geben 80% der Befragten an, dass dies bei ihrem aktuellen Arbeitgeber möglich sei. Damit ist die zeitliche Kompensation das primäre Arbeitgebermodell im Umgang mit Mehrarbeit. Deutlich seltener werden Überstunden dagegen finanziell vergütet. Nur gut ein Drittel der Beschäftigten (32%) berichten von einer Auszahlung der Überstunden.

Für die Mehrheit der Beschäftigten (64%) ist ein solcher finanzieller Ausgleich dagegen nicht mehr als eine Wunschvorstellung. „Überstunden sind für viele Beschäftigte längst Teil der Normalität geworden – unabhängig davon, ob sie dauerhaft oder punktuell anfallen. Sie werden dann bedenklich, wenn sie zur Dauerbelastung werden oder als selbstverständlich gelten. Daher ist es entscheidend, wie Unternehmen mit Mehrarbeit umgehen.

Hier gilt die Faustregel: Wer Flexibilität fordert, sollte im Gegenzug auch Verlässlichkeit bieten. Hinsichtlich einer zeitlichen Kompensation machen das viele Arbeitgeber derzeit schon so“, ordnet Thomas Hense, Geschäftsführer von jobtensor.com, die Ergebnisse ein.

Überstunden werden als zu viel empfunden, sind aber nur selten ein Wechselgrund

Neben geregelten Ausgleichsmodellen existieren jedoch auch problematische Konstellationen, wenngleich auch in der Minderzahl der Fälle. So berichten aber immerhin ein Fünftel der Beschäftigten (19%), dass Überstunden von ihrem Arbeitgeber vorausgesetzt und daher auch üblicherweise nicht vergütet werden. Dazu passt: Genauso viele geben an, dass in ihrem Arbeitsvertrag festgehalten sei, dass Überstunden mit dem Gehalt abgegolten sind. Darüber hinaus gibt ein nicht unerheblicher Teil der Beschäftigten an, die eigene Mehrarbeit kritisch zu sehen. So finden 21 % die Anzahl ihrer Überstunden insgesamt zu hoch – ein Grund, den Arbeitgeber zu wechseln, sind sie aber nur in den wenigsten Fällen. Denn für gerade einmal 12 % sind sie ein konkreter Grund, über einen Jobwechsel nachzudenken. 

Bildquelle: Unsplash / blue sky



Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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