Der Break-Even-Point markiert den Punkt, ab dem Ihr Unternehmen Geld verdient. Wer ihn kennt, trifft souveränere Entscheidungen zu Preisen, Produktionsmengen und Investitionen – und behält das unternehmerische Risiko besser im Griff.
Was ist der Break-Even-Point?
Als Gewinnschwellenpunkt bezeichnet der Break-Even-Point die Absatzmenge, bei der Erlöse und Gesamtkosten genau übereinstimmen. Ab dort schreiben Sie Gewinn, darunter Verlust. Die Formel zur Berechnung lautet:
Break-Even-Point = Fixkosten / (Verkaufspreis pro Stück – variable Kosten pro Stück)
Je höher der Deckungsbeitrag eines Produktes, desto schneller wird der Break-Even-Point erreicht.
Je höher der Deckungsbeitrag eines Produkts, desto schneller wird der Break-Even-Point erreicht. Eine Auswertung in Springer Professional zeigt zudem: 73 % der Unternehmen nutzen den Deckungsbeitrag aktiv als Steuerungsgröße – die Break-even-/DB-Kalkulation gehört damit zum Standard bei Preis- und Investitionsentscheidungen.

Warum der Break-Even-Point für Selbstständige entscheidend ist
Gerade in der frühen Phase hilft der Break-Even-Point, Risiken realistisch einzuordnen. Er beantwortet drei Kernfragen:
- Ab wann arbeitet das Unternehmen profitabel?
- Wie viele Einheiten (Produkte/Dienstleistungen) müssen verkauft werden, damit man die Fixkosten deckt?
- Wie wirken Preisänderungen oder Kostenanstiege auf die Gewinnschwelle?
Warum das wichtig ist, zeigt die Auswertung von CB Insights zu den häufigsten Start-up-Fehlerursachen: 29 % der gescheiterten Start-ups nennen „Geld ausgegangen“ als Ursache. Eine saubere Break-even-Planung macht Cash-Bedarf, Preisschwellen und Runway früh sichtbar – und erhöht so die Chance auf einen schnelleren Weg in die Profitabilität.
So berechnen Sie den Break-Even – Schritt für Schritt
- Fixkosten erfassen: z. B. Miete, Gehälter, Versicherungen, Abschreibungen
- Variable Stückkosten kalkulieren: Produktion, Material, Versand
- Deckungsbeitrag pro Einheit: Verkaufspreis minus variable Kosten
- Break-Even-Menge: Fixkosten geteilt durch Deckungsbeitrag je Einheit
- Break-Even-Umsatz: Break-Even-Menge mal Verkaufspreis
Beispiel:
Fixkosten: 50.000 €
Variable Kosten pro Stück: 20 €
Verkaufspreis: 50 €
Deckungsbeitrag: 30 €
Break-Even-Point: 50.000 € / 30 € = 1.667 Stück
Break-Even-Analyse als Steuerungsinstrument
Der Break-Even-Point ist mehr als eine Momentaufnahme – er taugt als dynamisches Steuerungswerkzeug. Sinnvoll eingesetzt, hilft er zentrale Entscheidungen abzusichern:
- Preisstrategie prüfen: Wie verschieben Preisnachlässe die Gewinnschwelle?
- Produktportfolio steuern: Welche Angebote leisten den größten Beitrag zur Fixkostendeckung?
- Investitionen bewerten: Rechnet sich die neue Maschine bei den geplanten Stückzahlen?
- Kostensenkung priorisieren: Welche Fixkostenreduktion hat den größten Hebel?
Gerade in unsicheren Zeiten schafft der Break-Even Orientierung – und erhöht die finanzielle Stabilität.
Grenzen des Break-Even-Points
- Vereinfachtes Modell: Fixkosten gelten als konstant – in der Praxis selten vollständig zutreffend.
- Kapazitäten außen vor: Engpässe oder Marktsättigung bleiben unberücksichtigt.
- Kurz- bis mittelfristiger Fokus: Für die Langfristplanung nur bedingt geeignet.
Trotz dieser Einschränkungen zählt der Break-Even zu den wichtigsten Kennzahlen – im Mittelstand wie bei Selbstständigen.
Fazit
Der Break-Even-Point zeigt, ob Produkte, Dienstleistungen oder ganze Geschäftsmodelle wirtschaftlich tragfähig sind. Wer ihn kennt und konsequent als Planungs- und Steuerungsinstrument nutzt, senkt Risiken und erhöht die Handlungsfähigkeit. Für Gründer, Selbstständige und KMU gehört die Gewinnschwellenanalyse zur Grundausstattung jeder soliden Unternehmensplanung.
Erklärvideo
Literatur
- Christian Borcherding | Break-even-Point gaaanz einfach!: Kinderleichte Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Berechnung und Zeichnung des Break-even-Points (Kindle-Ausgabe) | o. V. | o. O. 2021 | o. ISBN.
- Chandra Sekhar | Break-even Analysis: Break-even Point, Determinants of BEP, Break-even Chart, Assumptions, Advantages and Limitations | o. V. | o. O. 2018 | ISBN 978-1983050268.
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