Moderne Arbeitswelt

Erfolgreich verkaufen: Den richtigen Ton treffen und Kunden überzeugen

Erfolgreich verkaufen heißt, Menschen zu verstehen und sie gezielt zu begeistern. Wer im Verkaufsgespräch den richtigen Ton trifft, nutzt psychologische Prinzipien clever aus und bleibt auch nach dem Gespräch am Ball.

Verkaufen ist Psychologie: Was wirklich zählt

Gute Verkäuferinnen und Verkäufer wissen: Der Preis allein entscheidet selten über den Abschluss. Vertrauen, Sympathie und das Gefühl, verstanden zu werden, sind oft die wahren Kaufmotive. Der Salesforce-Report State of the Connected Customer zeigt, dass 84 % der B2B-Entscheider eher kaufen, wenn Sales-Teams ihre Ziele verstehen – ein klarer Hinweis darauf, wie wichtig Empathie und Relevanz im Gespräch sind.

Das bedeutet: Wer erfolgreich verkaufen will, muss lernen, sich auf den Kunden einzustellen, dessen Bedürfnisse zu erkennen und aktiv zuzuhören.

Der richtige Ton im Verkaufsgespräch

Das Verkaufsgespräch ist der Moment der Wahrheit. Hier entscheidet sich, ob aus einem Interessenten ein Kunde wird. Wichtig dabei:

  1. Situatives Eingehen auf den Kunden: Jede Kundin, jeder Kunde ist anders. Manche brauchen Zahlen und Fakten, andere Emotionen und Bilder.
  2. Positive Sprache wählen: Wörter wie „profitieren“, „erhalten“ oder „individuell“ wirken aktivierend.
  3. Empathisch argumentieren: Formulierungen wie „Ich verstehe, dass Ihnen XY wichtig ist…“ schaffen Nähe.
  4. Kaufmotive erkennen: Fragen Sie gezielt nach dem Warum. Was ist dem Kunden wirklich wichtig?

Psychologische Verkaufstricks: Das Kontrast-Prinzip nutzen

Das Kontrast-Prinzip ist ein bewährter Verkaufstrick: Wenn Sie zwei Produkte oder Angebote direkt gegenüberstellen, erscheint das attraktivere Angebot noch wertvoller.

Beispiel: Präsentieren Sie zuerst eine teure Variante, wirkt das preisgünstigere Angebot im Anschluss als „guter Deal“.

Wie stark dieser Effekt wirken kann, zeigt die Studie „Testing the decoy effect to improve online survey completion“: Durch das Hinzufügen einer weiteren Option stieg die Wahl des Zielangebots von 32,7 % auf 55,9 %. Im E-Commerce wird das Prinzip strategisch genutzt – etwa auf Pricing- und Paketseiten mit Plan-Matrizen und „Empfohlen“-Tarifen, wie die Digital-Subscriptions-&-SaaS-UX-Forschung des Baymard Institute zeigt.

Anreizsysteme: Verkaufswettbewerbe als Motivationsturbo

Innere Motivation ist entscheidend – aber Verkaufswettbewerbe können zusätzliche Anreize setzen. Dabei gilt: Der Wettbewerb sollte realistisch, fair und transparent gestaltet sein. Besonders effektiv sind Belohnungen, die emotional ansprechen – etwa exklusive Events oder individuelle Prämien.

Empirische Evidenz liefert die Studie „Incentives, Motivation and Workplace Performance“: Langfristige Incentive-Programme (≥ 12 Monate) steigerten die Leistung im Schnitt um 44 %, sechs Monate oder kürzer um 30 % und einwöchige Initiativen um 20 %.

Vom „Kuschler“ zum Verkäufer: Den eigenen Biss entwickeln

Viele Selbstständige scheuen sich vor aktiven Verkaufsprozessen, weil sie nicht aufdringlich wirken möchten. Doch Verkaufen heißt nicht, den Kunden zu „überreden“, sondern ihm zu helfen, eine gute Entscheidung zu treffen. Wichtig ist, eine Balance zu finden zwischen freundlicher Beratung und klarer Verkaufsorientierung.

Tipps für mehr „Biss“ im Vertrieb:

  • Klare Abschlussfragen stellen („Wann dürfen wir für Sie starten?“)
  • Auf Einwände vorbereitet sein und diese als Chancen sehen
  • Konsequentes Nachfassen, ohne dabei aufdringlich zu wirken

Nachfassen als Erfolgsfaktor: Dranbleiben lohnt sich

Nach dem ersten Gespräch ist selten alles entschieden. Wer konsequent nachfasst, erhöht die Abschlusswahrscheinlichkeit deutlich. Doch auch hier gilt: Der Ton macht die Musik. Freundliche Erinnerungen, exklusive Zusatzangebote oder der Hinweis auf begrenzte Verfügbarkeiten sind sinnvolle Strategien, um im Gespräch zu bleiben.

Studien untermauern das: Die Top-Performance-in-Sales-Prospecting-Studie zeigt, dass im Schnitt acht Touchpoints nötig sind, um ein Erstgespräch oder eine Conversion zu erreichen; die Lead-Response-Management-Studie belegt zudem, dass zusätzliche Kontaktversuche die Kontaktquote um bis zu 70 % erhöhen.

Fazit

Erfolgreich verkaufen ist eine Mischung aus Psychologie, Strategie und Ausdauer. Wer sich in seine Kunden hineinversetzt, den richtigen Ton trifft und auch nach dem Gespräch am Ball bleibt, wird langfristig erfolgreicher verkaufen. Für Gründerinnen und Selbstständige heißt das: Verkaufen ist keine Kunst – es ist eine Frage der Haltung und der richtigen Techniken.

Literatur & Weblinks

  1. Sieg Seller | Verkaufen mit Psychologie. Die Techniken zur Verkaufsförderung – verkaufen wie der Pate lernen und zur Elite im Verkauf werden. Kindle-Ausgabe | o. V. | o. O. 2018 | ASIN B07DP9SBPL
  2. Tom Hopkins | Erfolgreich verkaufen für Dummies | Wiley-VCH | o. O. 2017 | ISBN 978-3527713929

Bildnachweis: Unsplash

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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