Gründung + Selbstständigkeit

EU Inc.: Einheitliche europäische Rechtsform stößt bei Tech-Startups auf breite Zustimmung

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 6 von 10 würden ihr nächstes Startup als „EU Inc.“ gründen  
  • Nur 10 Prozent haben daran kein Interesse
  • Startups wünschen sich vor allem leichtere Expansion ins EU-Ausland  

Die geplante Einführung einer einheitlichen europäischen Rechtsform („EU Inc.“) findet im deutschen Startup-Ökosystem breite Zustimmung. Das zeigt eine aktuelle Befragung von Bitkom Research unter 102 Tech-Startups in Deutschland im Auftrag des Digitalverbands Bitkom. Demnach würden 62 Prozent der Gründer/innen ihr nächstes Startup als EU Inc. gründen. Für lediglich 10 Prozent kommt dies nicht in Frage, während sich 28 Prozent nicht dazu äußern konnten oder wollten.

Die Ergebnisse erscheinen zu einem Zeitpunkt, an dem die Einführung der EU Inc. auf europäischer Ebene diskutiert wird. In Kürze beginnen die entscheidenden Trilog-Verhandlungen. Ziel des Vorhabens ist eine EU-weit einheitliche Rechtsform, die Unternehmensgründungen vereinfacht und grenzüberschreitendes Wachstum erleichtert.

„Europa braucht mehr Tech-Startups. Die EU Inc. würde das Gründen stark vereinfachen und Wachstum außerhalb der nationalen Grenzen erleichtern“, sagt Bitkom-Präsident Dr. Ralf Wintergerst. „Die große Zustimmung unter Gründer/innen zeigt, dass die EU die Weichen richtig stellt. Jetzt gilt es die Pläne rasch und europaweit einheitlich umzusetzen.“

Grenzüberschreitende Expansion steht im Mittelpunkt

Die Befragung zeigt zugleich, welche Anforderungen Gründer/innen an die neue Rechtsform stellen. Mit Abstand am wichtigsten ist die Möglichkeit, ohne lokale Tochtergesellschaften in andere EU-Mitgliedstaaten expandieren zu können. 94 Prozent der Befragten halten dies für sehr oder eher wichtig.

Ebenfalls hohe Bedeutung hat ein vollständig digitaler und automatisierter Gründungsprozess über einen One-Stop-Shop. 91 Prozent wünschen sich eine zentrale Anlaufstelle, über die sämtliche Gründungs- und Verwaltungsprozesse digital abgewickelt werden können.

Für 82 Prozent ist eine digitale Anteilsübertragung ohne Notar oder andere zusätzliche Stellen und Personen ein entscheidender Erfolgsfaktor. 78 Prozent sprechen sich zudem für die freie Wahl des Gesellschaftssitzes innerhalb der Europäischen Union aus.

Einheitliche Regeln sollen Wachstum erleichtern

Neben digitalen Verfahren erwarten die Startups auch eine stärkere Harmonisierung der rechtlichen Rahmenbedingungen. Besonders wichtig sind dabei:

  • 69 Prozent halten einen EU-weit einheitlichen Mustervertrag für Startup-Investments für wichtig.
  • Jeweils zwei Drittel der Befragten (67 Prozent) wünschen sich einheitliche Regelungen zur Besteuerung von Mitarbeiterbeteiligungen und eine Harmonisierung arbeits- und sozialpolitischer Regelungen innerhalb der Europäischen Union.
  • Ebenso viele (67 Prozent) bewerten eine Unternehmensgründung innerhalb von 48 Stunden als wichtigen Erfolgsfaktor für die EU Inc.

Weniger im Fokus stehen dagegen die geplanten Gründungskosten von 100 Euro. Die halten nur 57 Prozent der Gründer/innen für wichtig.

Mit Blick auf das weitere europäische Gesetzgebungsverfahren betont Wintergerst die Bedeutung einer konsequenten Umsetzung der bisherigen Pläne: „Entscheidend ist, dass die EU Inc. im nun anstehenden politischen Verfahren nicht zerredet und die zentralen Regelungen Bestand haben.“

Fazit

Die Befragung verdeutlicht insgesamt, dass deutsche Tech-Startups in der EU Inc. vor allem einen Hebel sehen, um bürokratische Hürden abzubauen und die Expansion innerhalb des europäischen Binnenmarkts zu erleichtern. Im Vordergrund stehen dabei weniger die Gründungskosten als vielmehr einheitliche, digitale und grenzüberschreitend funktionierende Rahmenbedingungen.

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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