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Jan-Niklas Hustedt – Geschäftsführer der Sparkassen-Personalberatung – zu Lücken im Lebenslauf

Warum Auszeiten vom Job heute kein Makel mehr sind, sondern Reife, Fokus und Lernkurven zeigen, erklärt Jan-Niklas Hustedt, Geschäftsführer der Sparkassen-Personalberatung GmbH, im Karriere NOW-Interview . Er gibt konkrete Formulierungen für den Lebenslauf, skizziert Fragen zur Selbstreflexion und zeigt Impulse für HR-Teams auf.

Karriere NOW: Herr Hustedt, Sie sind Geschäftsführer der Sparkassen-Personalberatung GmbH und kennen sich im Bewerbermarkt gut aus. Wie haben sich Ihre Bewertungskriterien für „Career Gaps“ in den letzten Jahren verändert und warum?

Jan-Niklas Hustedt: In den vergangenen Jahren hat sich der Blick auf Karriereunterbrechungen deutlich verändert. Früher wurden Lücken im Lebenslauf oft sehr kritisch betrachtet – fast automatisch als Risiko oder Schwäche. Heute sehen Personaler das wesentlich differenzierter: Wenn jemand die Auszeit gut erklären kann und eine stimmige, nachvollziehbare Geschichte dahintersteht, dann ist das längst kein Nachteil mehr. Im Gegenteil: Viele Bewerber:innen nutzen diese Phasen sehr bewusst, um sich weiterzuentwickeln, neue Perspektiven zu gewinnen oder persönliche Themen zu priorisieren. Das zeigt Selbstreflexion und Entscheidungsfähigkeit – beides Qualitäten, die auch für Arbeitgeber wertvoll sind.

Karriere NOW: Sind diese Kriterien branchenabhängig?

Jan-Niklas Hustedt: Nein, aus meiner Sicht nicht. Natürlich gibt es Personaler, die stärker auf lückenlose Karrieren achten, das lässt sich aber nicht bestimmten Bereichen zuschreiben. Grundsätzlich ist der positive Trend zu Auszeiten branchenübergreifend. Im Finanzsektor, wie auch auf anderen Feldern, rückt immer stärker in den Vordergrund, was jemand fachlich und persönlich mitbringt – und nicht, ob der Lebenslauf völlig „geradlinig“ daherkommt. Beispiele zu Auszeiten sind Weiterbildungen, ehrenamtlichem Engagement, Familienzeit oder Auslandsaufenthalte, bei denen sich interkulturelle Kompetenzen aufbauen lassen. Entscheidend ist hier: Authentizität bei der Begründung.

Karriere NOW: Welche konkrete Struktur oder Wortwahl empfehlen Sie Bewerber: innen, um eine 6–12-monatige (oder längere) Unterbrechung professionell zu erklären?

Jan-Niklas Hustedt: Ich empfehle eine klare, sachliche und nachvollziehbare Beschreibung. Zum Beispiel: „Ich habe bewusst eine Auszeit genommen, um mich persönlich weiterzuentwickeln / neue Erfahrungen zu sammeln / familiäre Verantwortung zu übernehmen. In dieser Zeit habe ich… (konkrete Aktivitäten).“ Wichtig ist, dass die Kandidat:innen hierbei zeigen, warum sie das getan haben und idealerweise auch, welche Erkenntnisse oder Fähigkeiten sie aus dieser Phase mitbringen. Das wirkt professionell, souverän und zeigt Eigenverantwortung.

Karriere NOW: Welche Nachfragen stellen Sie, um Potenzial hinter einer Lücke sichtbar zu machen – und welche Antworten überzeugen Sie besonders?

⁠Jan-Niklas Hustedt: Meist erledigen sehr einfache, aber gezielte Fragen den Job: Warum haben Sie diese Entscheidung getroffen? Und was haben Sie aus dieser Phase mitnehmen können? Überzeugend sind Antworten, die ehrlich, reflektiert und konkret sind – vor allem, wenn Kandidat:innen auch einen Bezug zur zukünftigen Rolle herstellen. Wer zeigen kann, dass diese Auszeit neue Perspektiven oder Kompetenzen gebracht hat, sammelt klare Pluspunkte.

Karriere NOW: Welche Prozesse oder Schulungen helfen Führungskräften und HR, Lücken nicht reflexartig negativ zu bewerten?

Jan-Niklas Hustedt: Ein entscheidender Schritt ist, den Blick bewusst zu verändern: Nicht reflexartig auf das Loch im Lebenslauf schauen, sondern sich zu fragen, welche Kompetenzen jemand insgesamt mitbringt. Schulungen und Sensibilisierungsmaßnahmen können helfen, unbewusste Vorurteile abzubauen. Wichtig ist aber vor allem eine Haltung, die Auszeiten nicht automatisch als Defizit versteht. Oft steckt in einer Auszeit viel Entwicklungspotenzial – sowohl fachlich als auch persönlich.

Karriere NOW: Wie verhandeln Bewerber ihr Gehalt selbstbewusst, ohne die Auszeit zu „entschuldigen“?

Jan-Niklas Hustedt: Ganz einfach: Die Auszeit spielt bei der Gehaltsverhandlung keine Rolle. Die Vergütung orientiert sich an Qualifikation, Erfahrung und Marktwert – nicht daran, ob jemand sechs oder zwölf Monate pausiert hat. Wer selbstbewusst auftritt und seinen Mehrwert klar kommuniziert, muss sich nicht rechtfertigen. Das ist eine Frage der Haltung.

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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