Gründung + Selbstständigkeit

Jeder zweite Selbstständige sorgt sich um seinen Ruhestand

Freelancer legen monatlich hohe Summen für ihre Altersvorsorge zurück – dennoch blickt mehr als die Hälfte mit Sorge auf den Ruhestand. Gleichzeitig kritisieren viele Selbstständige politische Unsicherheiten und rechtliche Risiken, die ihre wirtschaftliche Planung erschweren.

  • 76 Prozent sehen keine passenden politischen Rahmenbedingungen für Freiberufler
  • Scheinselbstständigkeit bleibt größtes Rechtsrisiko
  • Durchschnittlich 1.170 Euro legen Freelancer monatlich für ihre Altersvorsorge zurück

Viele Selbstständige tragen ihre soziale Absicherung vollständig selbst. Im Durchschnitt legen Freelancer monatlich 1.170 Euro für ihre Altersvorsorge zurück, der Median liegt bei 800 Euro. Trotz dieser vergleichsweise hohen Eigenleistung blickt mehr als die Hälfte mit Sorge auf die finanzielle Situation im Alter.

Das zeigt der Freelancer-Kompass 2026 von freelancermap, der als größte Erhebung zur Selbstständigkeit im deutschsprachigen Raum gilt. Demnach sorgen sich aktuell 55 Prozent der befragten Selbstständigen um ihre Altersvorsorge – im Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 49 Prozent. Gleichzeitig können sich 80 Prozent vorstellen, über das offizielle Renteneintrittsalter hinaus weiterzuarbeiten.

Die Ergebnisse fallen in eine Phase intensiver rentenpolitischer Debatten. Während etwa Modelle wie eine sogenannte Aktivrente diskutiert werden, die längeres Arbeiten attraktiver machen soll, bleiben viele Regelungen bislang auf klassische Erwerbsbiografien zugeschnitten. Für Selbstständige stellt sich daher zunehmend die Frage, wie eigenverantwortliche Vorsorge mit staatlichen Systemen sinnvoll verzahnt werden kann.

Rechtliche Unsicherheit als zentrales Hindernis

Neben der Altersvorsorge sehen viele Freelancer vor allem rechtliche Unsicherheiten als strukturelles Problem. Besonders häufig wird die Bewertung von Scheinselbstständigkeit genannt: 62 Prozent der Befragten sehen darin ein erhebliches Risiko für ihre berufliche Tätigkeit.

Wer sich selbstständig macht, entscheidet sich bewusst für unternehmerisches Risiko und Eigenverantwortung. Dieser Mut braucht jedoch verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen (Thomas Maas, CEO bei freelancermap)

Die Folgen zeigen sich bereits im Projektgeschäft. Jeder vierte Freelancer berichtet, dass Aufträge nicht zustande kamen, weil Auftraggeber mögliche rechtliche Risiken vermeiden wollten. Auch andere Bereiche gelten als problematisch: 33 Prozent nennen Fragen der Sozialversicherungspflicht, 31 Prozent eine fehlende Interessenvertretung. Steuerrecht und Altersvorsorge werden jeweils von 30 Prozent der Befragten als kritische Themen genannt.

„Wer sich selbstständig macht, entscheidet sich bewusst für unternehmerisches Risiko und Eigenverantwortung. Dieser Mut braucht jedoch verlässliche rechtliche Rahmenbedingungen“, sagt Thomas Maas, CEO bei freelancermap. „Wenn Selbstständigkeit im Rahmen von Einzelfallprüfungen immer wieder neu bewertet wird, entsteht Unsicherheit, die wirtschaftliche Entscheidungen erschwert. Dass sich gut drei Viertel unzureichend vertreten fühlen und gleichzeitig mehr als die Hälfte um ihren Ruhestand sorgt, ist ein deutliches Signal. Wir brauchen klare Positivkriterien für Selbstständigkeit, eine Reform des Statusfeststellungsverfahrens und weniger Bürokratie. Nur so entsteht echte Planungssicherheit.“

Bürokratie belastet den Arbeitsalltag

Zusätzlich zu rechtlichen Fragen berichten viele Freelancer von einem hohen administrativen Aufwand. Besonders häufig werden Steuererklärungen als belastend empfunden: 52 Prozent nennen diesen Bereich als Herausforderung im Arbeitsalltag.

Auch Buchhaltung (42 Prozent), Verträge und rechtliche Formalitäten (37 Prozent) sowie Sozialversicherungsfragen (25 Prozent) zählen zu den Aufgaben, die einen erheblichen Zeitaufwand verursachen. Weitere 15 Prozent sehen Registrierungspflichten als bürokratische Hürde.

Für die projektbasierte Wissensökonomie könnte diese Entwicklung langfristige Folgen haben. Ohne klar definierte gesetzliche Rahmenbedingungen, weniger Bürokratie und eine verlässliche Regulierung droht eine strukturelle Schwächung der freiberuflichen Arbeit – und damit eines wichtigen Teils moderner Arbeitsmärkte.

Bildquelle: Pixabay

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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