Das Wichtigste auf einen Blick
- Jobsicherheit gewinnt: Für 77 % ist ein sicherer Arbeitsplatz wichtiger als beruflicher Aufstieg, 74 % empfinden es aktuell schwieriger, zu Vorstellungsgesprächen eingeladen zu werden
- Hier gibt es Chancen: In den Berufsfeldern Gesundheit, Soziales, Handwerk sowie im technischen Bereich besteht ein hohes Angebot auf stepstone.de
- Zukunftssicherste Studienfächer: Recruiter sehen Medizin, Elektrotechnik und Soziale Arbeit ganz vorne
Jobsicherheit gewinnt an Bedeutung, der Berufseinstieg bleibt schwierig. Gleichzeitig entstehen in einzelnen Berufsfeldern neue und zukunftssichere Chancen. Die The Stepstone Group Arbeitsmarktforscherinnen Dr. Christina Langer und Dr. Anna Wittich haben für den Herbst 2026 vier aktuelle Arbeitsmarkttrends identifiziert. Basis dafür sind aktuelle Studiendaten sowie Stepstone-Plattformdaten.
1. Jobsicherheit immer wichtigerer Faktor bei der Arbeitgeberwahl
32 % der Beschäftigten nennen einen sicheren Arbeitsplatz als einen der wichtigsten Faktoren bei der Jobwahl ‒ vier Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Häufiger genannt wird nur das Gehalt (59 %). Für 77 % ist Jobsicherheit sogar wichtiger als beruflicher Aufstieg.
Die Gründe liegen vor allem im herausfordernden Arbeitsmarkt: 74 % finden es derzeit schwieriger, überhaupt zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen zu werden, 65 % erleben höhere Anforderungen als noch vor drei Jahren. Gleichzeitig berichten Unternehmen von einem anhaltenden Fachkräftemangel: 46 % finden Recruiting schwieriger als vor einem Jahr, 44 % geben an geeignete Kandidaten mit den benötigten Kompetenzen zu finden, sei die größte Hürde.
„Der Arbeitsmarkt lädt derzeit nur wenig zum Wechsel ein. Jobsuchende berichten von einem langen Weg bis zum Bewerbungsgespräch oder gar zur Einstellung. Wer einen Job hat, hält sich in der Regel an ihm fest“, sagt Dr. Christina Langer, Senior Economist bei The Stepstone Group. „Für Unternehmen heißt das auch, dass die Suche nach den gefragtesten Fachkräften Zeit in Anspruch nimmt und die bestmöglichen Kandidaten schwer zu finden sind. Arbeitgeber, die Stabilität und unbefristete Jobs bieten, sollten das hervorheben.“
2. Hoher Bedarf in Gesundheit, Sozialem und Handwerk
Trotz des insgesamt angespannten Arbeitsmarkts gibt es in den Bereichen Handwerk, Gesundheit, Logistik und Bau besonders viele Stellenanzeigen auf stepstone.de. Gemessen an der Abweichung vom Durchschnitt 2019–2025 zeigt sich 2025 ein hoher Bedarf zum Beispiel bei: LKW-Fahrern im Nahverkehr (+40 %), Heilerziehungspflegern (+36 %), Elektronikern für Energie- und Gebäudetechnik (+37 %), sowie Anlagenmechanikern in Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik (+17 %) und KFZ-Mechatronikern (+15 %).
„Die besten Jobchancen gibt es derzeit im Handwerk, in technischen Berufen sowie in Gesundheits- und Sozialberufen. Gefragt sind handwerkliches Können und technisches Verständnis. Außerdem gewinnt die direkte Arbeit mit Menschen an Bedeutung. Am größten ist der Bedarf dort, wo die Arbeit vor allem vor Ort erledigt wird, daran ändert KI so schnell nichts“, sagt Dr. Anna Wittich, Arbeitsmarktforscherin bei Stepstone.
3. Die zukunftssichersten Studienfächer ‒ laut Recruitern
Im Herbst entscheiden sich viele junge Menschen für ihr Studienfach. In einer gemeinsamen Studie von Stepstone und Studydrive bewerten 455 Personalverantwortliche Medizin, Elektrotechnik und Soziale Arbeit als die zukunftssichersten Studienfächer. Geisteswissenschaften wie Geschichte, Anglistik oder Germanistik werden als die am wenigsten zukunftssicheren Fächer benannt.
58 % der befragten Recruiter sagen außerdem: Zukunftssicher ist, was sich schwer automatisieren lässt. Praxiserfahrung spielt beim Einstieg unabhängig davon eine große Rolle: 42 % der Young Professionals geben an, dass Praktika oder eine Werkstudententätigkeit ihren Einstieg maßgeblich erleichtert haben. Für 34 % war eine Tätigkeit während des Studiums das direkte Ticket zur Übernahme.
„Medizin und soziale Arbeit brauchen tiefes Fachwissen und die direkte Arbeit mit Menschen. Elektrotechnik braucht besonderes technisches Verständnis. Der Fachkräftemangel in allen drei Bereichen ist real, und Wirtschaft und Gesellschaft brauchen diese Menschen dringend. Das wird sich so schnell nicht ändern“, sagt Dr. Anna Wittich. „Das Ranking zeigt, was Recruiter für zukunftssicher halten. Nicht zwingend was sich jobtechnisch lohnt.
Entscheidend ist, sich früh mit möglichen Karrierepfaden auseinanderzusetzen. Wer echtes Interesse an einem Fach hat, sollte nicht nur auf Rankings schauen. Es geht darum zu überlegen: Was macht mir überhaupt Spaß? Welche Berufe ermöglicht das Studium? Welchen Bedarf gibt es für diesen Beruf? Und kann ich während des Studiums praktische Erfahrung darin sammeln?“
4. Der Berufseinstieg bleibt schwierig
Der Anteil der Jobs für Berufseinsteigende auf der Plattform lag 2025 rund 33 % unter dem ab 2019 gemessenen Mehrjahresschnitt, der tiefste Stand seit Beginn der Messungen. Im ersten Halbjahr 2026 lag der Anteil wieder rund 14 % über dem Vorjahreszeitraum. Ein erstes positives Signal, aber noch kein Grund zur Entwarnung.
„Wir sehen einen anhaltenden Rückgang im Einstiegssegment, der sich quer durch alle klassischen Wissensberufe zieht. Vor allem Absolventen von Hochschulen stecken oft in einem Teufelskreis: Ohne Erfahrung kein Job, ohne Job keine Erfahrung. KI und die wirtschaftliche Schwächephase treffen den Berufseinstieg an einer empfindlichen Stelle, weil zuerst die klassischen Junioraufgaben betroffen sind, an denen Einsteiger bisher gelernt haben“, sagt Dr. Christina Langer. „Wer heute Juniorstellen abbaut, spart kurzfristig und verliert die Fachkräftebasis von morgen. Gerade entsteht eine Lücke, die sich in der nächsten Konjunkturerholung nicht so einfach schließen wird. Einstiegsjobs müssen deshalb neu gedacht werden: Duale Programme, Mentoring, frühe Projektverantwortung, Lernumgebungen, in denen KI von Anfang an als Werkzeug dabei ist. Mit dem Ziel, Berufseinsteigenden beizubringen, KI produktiv und kritisch einzusetzen.“
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