Moderne Arbeitswelt

Karrierekiller KI? Wer AI nutzt, gilt oft als weniger kompetent

KI steigert Tempo und Output – beschädigt aber mitunter den Ruf. Darauf weist eine aktuelle Studie von Jessica A. Reif, Richard P. Larrick und Jack B. Soll (Duke University) hin: Wer im Job auf AI-Tools setzt, kassiert häufig einen sozialen Malus. Kolleg:innen und Vorgesetzte stufen diese Personen trotz objektiv besserer Ergebnisse als weniger motiviert und weniger kompetent ein.

Die Ironie: Während immer mehr Unternehmen Künstliche Intelligenz einsetzen, um Prozesse zu beschleunigen und Produktivität zu heben, droht einzelnen Mitarbeitenden ein Reputationsrisiko – nicht wegen der Resultate, sondern wegen der Wahrnehmung. Genau hier liegt die Führungsaufgabe: Klare Leitlinien setzen, Transparenz schaffen und Leistung fair bewerten – unabhängig davon, ob sie mit oder ohne KI erbracht wurde.

Die Ergebnisse wurden im Fachjournal PNAS veröffentlicht.

Vier Experimente mit 4.400 Teilnehmenden

In vier präregistrierten Experimenten mit insgesamt 4.439 Proband:innen untersuchten die Forschenden, wie Menschen, die KI-Tools am Arbeitsplatz nutzen, wahrgenommen werden. Das Ergebnis:

  • Antizipierte soziale Strafe: Viele Befragte gaben an, dass sie glauben, für die Nutzung von KI negativ beurteilt zu werden
  • Tatsächliche soziale Strafe: Diese Befürchtung bestätigte sich – KI-Nutzer wurden tatsächlich schlechter in Bezug auf Kompetenz und Motivation bewertet
  • Folgen für Bewerbungen: Selbst bei der Einschätzung von Bewerber:innen spielte die KI-Nutzung eine Rolle. Kandidat:innen, die ihre Arbeit mithilfe von KI erledigten, erhielten schlechtere Bewertungen

Paradoxon: Effizienz steigt, Reputation sinkt

Das zentrale Dilemma: KI-Tools steigern nachweislich die Produktivität, können aber gleichzeitig das professionelle Ansehen der Nutzer:innen schädigen. Damit könnte die Angst vor einem Reputationsverlust die breite Akzeptanz von KI in Unternehmen bremsen.

Was Unternehmen jetzt tun sollten

Die Studie ist ein Weckruf für Führung und HR. Wenn KI ihr Potenzial entfalten soll, braucht es klare Rahmenbedingungen – technisch und kulturell:

  • Kultur ändern: Vorurteile abbauen und KI-Nutzung als Kompetenzgewinn begreifen, nicht als Abkürzung für Faule.
  • Transparenz schaffen: Unmissverständlich kommunizieren, dass KI ein legitimes Arbeitsmittel zur Leistungssteigerung ist – kein Makel.
  • Schulen & leiten: Praxistaugliche Trainings und Leitlinien anbieten, damit Mitarbeitende Tools sinnvoll einsetzen, ohne in soziale Fallen zu tappen.

Fazit: Mehr als nur Technologie

KI ist nicht nur Software, sondern auch ein soziales Thema. Unternehmen, die ihre Leute zu einem produktiven, angstfreien Umgang befähigen, sichern sich einen Vorsprung – nicht allein bei der Effizienz, sondern vor allem in der Akzeptanz.teil.

Studie: Evidence of a social evaluation penalty for using AI (PNAS, 2025)

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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