Gründung + Selbstständigkeit

Mehr Gründer denn je im Nebenerwerb

Die Zahl der Gründungen in Deutschland ist 2025 deutlich gestiegen. Treiber ist vor allem der Nebenerwerb: Er erreicht einen Rekordanteil und verändert damit die Dynamik im Gründungsgeschehen.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 2025 gab es rund 690.000 Gründerinnen und Gründer, nach 585.000 im Vorjahr.
  • Die Gründungsintensität stieg von 115 auf 136 je 10.000 Menschen im Alter von 18–64 Jahren.
  • Nebenerwerbsgründungen legten von 382.000 auf rund 483.000 zu.
  • Der Anteil des Nebenerwerbs erreichte mit 70 % einen bisherigen Höchstwert.
  • Sologründungen dominierten mit 86 %, während Übernahmen nur 10 % ausmachten.

Nebenerwerb wird zum stärksten Treiber

Die Gründungstätigkeit in Deutschland hat 2025 spürbar zugelegt. Das zeigt eine Vorabauswertung des aktuellen KfW-Gründungsmonitors von KfW Research. Demnach erhöhte sich die Gründungsintensität von 115 auf 136 Existenzgründungen je 10.000 Menschen im Alter von 18–64 Jahren.

Umgerechnet entspricht das rund 690.000 Gründerinnen und Gründern, nach 585.000 im Vorjahr. Für den Mittelstand ist diese Entwicklung relevant, weil sie auf eine wachsende Bereitschaft hinweist, Geschäftsideen zunächst risikoärmer und parallel zu bestehenden Erwerbswegen zu testen.

Vollerwerb stagniert, Nebenerwerb erreicht Rekordwert

Der Zuwachs geht vor allem auf Gründungen im Nebenerwerb zurück. Ihre Intensität stieg im Vorjahresvergleich von 75 auf 95, was rund 483.000 Nebenerwerbsgründungen im Jahr 2025 entspricht. Im Vorjahr waren es 382.000.

Der Vollerwerb blieb dagegen nahezu unverändert. Die Gründungsintensität lag dort bei 41 und damit das dritte Jahr in Folge auf ähnlichem Niveau. Umgerechnet waren das 206.000 Vollerwerbsgründungen im Jahr 2025.

KennzahlWert
Gründungsintensität 2025136 je 10.000 Menschen im Alter von 18–64 Jahren
Gründerinnen und Gründer 2025rund 690.000
Nebenerwerbsgründungen 2025rund 483.000
Vollerwerbsgründungen 2025206.000
Anteil Nebenerwerb70 %

Arbeitsmarkt könnte Gründungsentscheidungen beeinflussen

Durch die unterschiedliche Entwicklung ist der Anteil der Nebenerwerbsgründungen an der gesamten Gründungstätigkeit auf 70 % gestiegen. Damit erreicht er einen bisher unerreichten Wert. Als möglicher Einflussfaktor gilt die Lage am Arbeitsmarkt, da die Erwerbslosenquote das zweite Jahr in Folge merklich stieg und viele Unternehmen Personalabbau angekündigt haben.

Allerdings zeigt die Auswertung kein auffälliges Wachstum bei Gründungen aus Sorge vor Arbeitslosigkeit. Vielmehr wurde der Anteil derjenigen kleiner, die (drohende) Arbeitslosigkeit als Motiv nennen. Zugleich wollen mehr Gründerinnen und Gründer im Nebenerwerb eine konkrete Geschäftsidee ausprobieren.

Einkommen bleibt zentrales Motiv

Ein höheres oder zusätzliches Einkommen bleibt bei Nebenerwerbsgründungen das dominierende Motiv und wurde 2025 nochmals deutlich stärker. Für Unternehmen im Mittelstand kann das zwei Seiten haben: Einerseits entstehen neue Wettbewerber und Dienstleister, andererseits können Nebenerwerbsgründungen zu späteren Vollerwerbsunternehmen heranwachsen.

Die Mehrheit der Gründerinnen und Gründer entscheidet sich zudem aus Überzeugung für die Selbstständigkeit. Zwei Drittel präferieren sie grundsätzlich gegenüber einer Anstellung. Bei Nebenerwerbsgründungen ist der Anteil zwar niedriger als im Vollerwerb, dennoch stellt auch dort die klare Mehrheit die Selbstständigkeit positiv heraus.

Nachfolge bleibt ein strukturelles Problem

Das Gründungsgeschehen wird weiterhin stark von Sologründungen geprägt. 86 % der Gründungen erfolgen durch nur eine Person, während etwa ein Viertel der Gründungen Beschäftigte hat. Ebenfalls 86 % entstehen als Neugründungen, also rechtlich und organisatorisch neu.

Übernahmen machen dagegen nur 10 % aus, tätige Beteiligungen 4 %. Gerade mit Blick auf die demografische Alterung in mittelständischen Chefetagen bleibt das ein kritischer Befund, denn der Mangel an Nachfolgeinteressierten gilt als zentrale Herausforderung für Unternehmensnachfolgen.

Bildquelle: Symbolbild/Unsplash

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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