Viele Unternehmen in Deutschland stellen ihr Recruiting 2026 stärker auf Quereinsteiger:innen um. Gleichzeitig steigt für Beschäftigte der Wunsch nach Jobsicherheit deutlich. KI verändert Aufgabenprofile – doch Berufe mit direktem Menschenkontakt bleiben gefragt.
Das Wichtigste auf einen Blick
- 64 % der Unternehmen priorisieren 2026 Einstellungen von Quereinsteiger:innen
- 77 % wollen Auswahlkriterien anpassen und Kompetenzen stärker gewichten („Skills-based Hiring“)
- Jobsicherheit ist für 29 % der Bewerbenden ein Top-Kriterium bei der Arbeitgeberwahl (2025)
Der Arbeitsmarkt bleibt in Bewegung: Unternehmen reagieren auf demografische Verschiebungen und richten ihre Personalsuche zunehmend auf Menschen aus, die aus anderen Berufsfeldern kommen. Das zeigt das „Hiring Trends Update“ von Stepstone, ergänzt um Auswertungen des Nutzerverhaltens auf der Jobplattform.
Konkret priorisieren 64 % der Unternehmen 2026 die Einstellung von Quereinsteiger:innen; 77 % wollen zudem ihre Auswahlkriterien anpassen und Kompetenzen stärker gewichten. Damit gewinnt ein Ansatz an Gewicht, der praktische Fähigkeiten über formale Abschlüsse stellt – auch, weil nach Einschätzung der Analyse die Zahl der Menschen, die neu in den Arbeitsmarkt eintreten, 2026 erstmals hinter der Zahl der Austritte zurückbleibt.
Dr. Julius Probst, Ökonom bei The Stepstone Group, ordnet das so ein: „Quereinstieg wird im kommenden Jahr mehr denn je zu einem zentralen Baustein des Arbeitsmarkts. 2026 werden in Deutschland erstmals weniger Menschen in den Arbeitsmarkt eintreten als ihn verlassen. Auch deshalb gewinnen Kompetenzen gegenüber formalen Abschlüssen an Bedeutung. Für viele Beschäftigte entstehen dadurch echte Perspektiven für einen beruflichen Neustart.“
Was das für Mittelständler in der Praxis bedeutet
Für viele mittelständische Betriebe steckt in dieser Entwicklung eine handfeste Chance: Wer Kandidat:innen-Pools nicht nur nach Lebenslauf-Stationen filtert, kann Engpässe schneller schließen – vorausgesetzt, Anforderungen werden sauber in Kompetenzen übersetzt. Gleichzeitig steigt der Druck, Lernkurven realistisch einzuplanen, weil Quereinstiege oft stärkere Einarbeitung und klarere Qualifizierungswege erfordern.
Unterdessen rückt die Frage nach verlässlichen Rahmenbedingungen stärker in den Vordergrund. Denn wenn Unternehmen ihr Recruiting breiter aufstellen, wird Differenzierung weniger über Titel und mehr über Transparenz, Entwicklungspfade und Führung im Alltag laufen.
Jobsicherheit rückt wieder nach oben – noch vor Work-Life-Balance
Parallel zur Recruiting-Öffnung verschieben sich die Erwartungen auf Bewerbendenseite. Jobsicherheit erreicht 2025 laut Analyse den höchsten Wert der vergangenen Jahre und zählt für 29 % der Bewerbenden zu den wichtigsten Kriterien bei der Wahl eines neuen Arbeitgebenden. Damit liegt sie vor Work-Life-Balance (25 %), interessanten Aufgaben (16 %) sowie Lern- und Entwicklungsmöglichkeiten (14 %); nur ein faires Gehalt (62 %) und flexible Arbeit (34 %) werden häufiger genannt.
Für den Mittelstand ist das ein Signal, das über reine Benefits hinausgeht: Wer Stabilität verspricht, muss sie nachvollziehbar machen – etwa durch Planbarkeit in Teams, klare Rollen und eine Kommunikation, die auch in unsicheren Phasen Orientierung gibt.
KI verändert Rollenbilder – aber nicht jede Arbeit lässt sich automatisieren
Die Analyse beschreibt außerdem, wie stark KI Aufgaben und Rollen im Arbeitsalltag verschiebt – besonders bei administrativen und organisatorischen Tätigkeiten. Zugleich bleiben Grenzen der Automatisierung sichtbar: In Berufen, die auf Empathie, persönliche Betreuung und direkten Austausch angewiesen sind, bleibt die Nachfrage hoch, etwa in Pflege, Erziehung oder sozialer Betreuung.
Für Unternehmen entsteht daraus ein doppelter Handlungsstrang: Technologische Kompetenzen gezielt aufzubauen und gleichzeitig die Attraktivität von Tätigkeiten mit direktem Menschenkontakt zu sichern. Gerade im Mittelstand kann das bedeuten, Weiterbildung stärker in Arbeitszeitmodelle und Personalplanung zu integrieren, damit Qualifizierung nicht „on top“ passiert.
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