Gründung + Selbstständigkeit

Studie: Fast jeder zweite Selbständige berichtet von Auftragsmangel

Viele Selbständige und Kleinstunternehmen leiden unter fehlenden Aufträgen. Zwar hellt sich das Geschäftsklima leicht auf, doch das Niveau bleibt sehr niedrig und die Existenzsorgen sind weiter groß.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • 47,3 Prozent der Selbständigen in Deutschland berichten von fehlenden Aufträgen
  • 21,2 Prozent der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen sehen ihre wirtschaftliche Existenz akut gefährdet
  • Jeder zehnte Selbständige berichtet zusätzlich von Finanzierungsproblemen
  • Der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Juli von -25,9 auf -22,6 Punkte, bleibt aber auf sehr niedrigem Niveau

Auftragsmangel belastet viele Selbständige

Etwa jeder zweite Selbständige in Deutschland klagt über fehlende Aufträge. Nach einer aktuellen ifo Umfrage berichten 47,3 Prozent der Selbständigen von Auftragsmangel. Damit bleibt die Nachfrage für Solo-Selbständige und Kleinstunternehmen ein zentrales wirtschaftliches Problem.

Das ifo Institut verweist dabei auf eine zurückhaltende Projektvergabe durch Kunden. Zugleich bleibt die private Konsumnachfrage gedämpft. Für viele Selbständige bedeutet das, dass sich die schwierige Auftragslage nicht nur in einzelnen Branchen bemerkbar macht, sondern breiter auf die Geschäftsentwicklung auswirkt.

ifo-Expertin Katrin Demmelhuber sagt: „Viele Selbständige spüren, dass ihre Kunden sich bei der Vergabe von Projekten zurückhalten“. Damit beschreibt sie eine Lage, in der Unternehmen, private Auftraggeber und öffentliche Stellen offenbar vorsichtiger agieren und neue Projekte verzögern oder zurückstellen.

Mehr als jeder fünfte sieht die eigene Existenz gefährdet

Die fehlenden Aufträge wirken sich direkt auf die wirtschaftliche Stabilität vieler Selbständiger aus. Mehr als ein Fünftel der Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen, 21,2 Prozent, sieht die eigene wirtschaftliche Existenz akut gefährdet. Besonders problematisch wird die Lage, wenn zur schwachen Nachfrage weitere finanzielle Engpässe hinzukommen.

Jeder zehnte Selbständige berichtet von Finanzierungsproblemen. Diese verschärfen die Situation, weil kleine Betriebe und Solo-Selbständige häufig nur begrenzte Rücklagen haben. Wenn Aufträge ausbleiben, Fixkosten aber weiterlaufen, können selbst vorübergehende Durststrecken schnell existenzbedrohend werden.

Katrin Demmelhuber erläutert: „Solo-Selbständigen und Kleinstunternehmen fehlen oft die finanziellen Reserven, um längere Durststrecken zu überbrücken“. Damit wird deutlich, warum Auftragsmangel für diese Gruppe besonders kritisch ist: Anders als größere Unternehmen können sie schwache Phasen oft nur begrenzt durch Kapitalreserven, Kreditlinien oder interne Ausgleichsmöglichkeiten abfedern.

Geschäftsklima verbessert sich leicht, bleibt aber deutlich negativ

Trotz der angespannten Lage hat sich die Stimmung unter Selbständigen im Juli etwas aufgehellt. Der Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex stieg von -25,9 auf -22,6 Punkte. Das Niveau bleibt jedoch sehr niedrig.

Die Selbständigen bewerteten ihre laufenden Geschäfte weniger negativ als zuvor. Auch bei den Erwartungen nahm der Pessimismus ab. Dennoch zeigt der weiterhin deutlich negative Index, dass von einer breiten Erholung noch nicht gesprochen werden kann.

Gerade für Kleinstunternehmen ist ein leicht verbessertes Geschäftsklima daher nur ein vorsichtiges Signal. Entscheidend bleibt, ob sich daraus in den kommenden Monaten tatsächlich mehr Aufträge, stabilere Umsätze und bessere Finanzierungsmöglichkeiten ergeben.

Bildquelle: Unsplash/Vitaly Gariev

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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