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Studie: Gehaltstransparenz wird 2026 zum Prüfstein für faire Vergütung

Über 1,3 Millionen Datensätze geben Einblick in die Einkommensrealität in Deutschland. Der neue Gehaltsreport zeigt regionale, branchenspezifische und strukturelle Unterschiede – und macht deutlich, warum Unternehmen sich frühzeitig auf strengere Transparenzanforderungen einstellen sollten.

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Bruttomediangehalt in Deutschland: 53.900 Euro
  • West-Ost-Gefälle bleibt deutlich: 56.250 vs. 48.750 Euro
  • Unbereinigter Gender Pay Gap liegt bei 9,7 Prozent
  • Großunternehmen zahlen im Median rund 14.000 Euro mehr als kleine Betriebe

Gehälter unter Druck: Transparenz wird zur Pflicht

Mit Blick auf das Jahr 2026 rückt die Vergütungspolitik vieler Unternehmen stärker in den Fokus. Der erwartete Gesetzesentwurf zur EU-Entgelttransparenzrichtlinie dürfte den Handlungsdruck weiter erhöhen, insbesondere mit Blick auf nachvollziehbare und diskriminierungsfreie Gehaltsstrukturen. Orientierung bietet der aktuelle Gehaltsreport 2026 von Stepstone. Er basiert auf mehr als 1,3 Millionen ausgewerteten Datensätzen und gilt als bundesweit repräsentative Vergleichsgrundlage.

Die Auswertung soll sowohl Beschäftigten als auch Arbeitgebern eine verlässliche Grundlage bieten. „Die neue EU-Richtlinie macht mehr Transparenz zur Pflicht“, sagt Sven Maaßen, Senior Manager Compensation bei Stepstone. „Beschäftigte brauchen Orientierung, Unternehmen belastbare Daten. Mit unserer Analyse schaffen wir eine Grundlage, um Gehälter künftig klarer und fairer zu gestalten.“

Deutschland im Einkommensvergleich

Das bundesweite Bruttomediangehalt liegt bei 53.900 Euro. Allerdings zeigen sich deutliche regionale Unterschiede, die seit Jahren bestehen. Während west- und süddeutsche Bundesländer vielfach über dem Median liegen, bleiben ostdeutsche Regionen darunter. Ohne Berlin erreichen ostdeutsche Länder ein Bruttomediangehalt von 48.750 Euro, im Westen liegt der Vergleichswert bei 56.250 Euro.

Ähnlich ausgeprägt ist das Gefälle zwischen Großstädten. München führt mit 64.750 Euro, gefolgt von Frankfurt am Main mit 64.000 Euro und Hamburg mit 60.000 Euro. In ostdeutschen Städten wie Dresden, Leipzig oder Chemnitz liegen die Medianwerte spürbar niedriger.

Zwischen Anspruch und Realität: Zufriedenheit steigt

Trotz struktureller Unterschiede entwickelt sich die Wahrnehmung der eigenen Vergütung positiv. 36 Prozent der Beschäftigten geben 2025 an, mit ihrem Gehalt zufrieden oder sehr zufrieden zu sein. In den beiden Vorjahren lagen die Werte noch bei 34 beziehungsweise 32 Prozent. Damit setzt sich ein moderater, aber kontinuierlicher Aufwärtstrend fort.

Branchen und Betriebsgrößen im Vergleich

Ein wesentlicher Einflussfaktor bleibt die Branche. Besonders hohe Medianwerte erzielen Beschäftigte in Banken, der Luft- und Raumfahrt sowie in Versicherungen und der Pharmaindustrie. Deutlich niedriger fallen die Gehälter hingegen in Gastronomie, Handwerk oder der Land- und Forstwirtschaft aus.

Zugleich spielt die Unternehmensgröße eine zentrale Rolle. Während Beschäftigte in Betrieben mit bis zu 50 Mitarbeitenden im Median 48.800 Euro verdienen, liegt der Vergleichswert in Unternehmen mit mehr als 5.000 Beschäftigten bei 63.000 Euro. Mittelständische Unternehmen bewegen sich dazwischen.

KennzahlWert
Bruttomediangehalt (gesamt)53.900 Euro
Großunternehmen (>5.000 MA)63.000 Euro
Kleinbetriebe (≤50 MA)48.800 Euro

Gender Pay Gap bleibt eine Baustelle

Auch 2026 zeigen sich Einkommensunterschiede zwischen den Geschlechtern. Frauen erzielen laut Datensatz ein Bruttomediangehalt von 50.500 Euro, Männer von 55.900 Euro. Daraus ergibt sich ein unbereinigter Gender Pay Gap von 9,7 Prozent. Werden Unterschiede in Branche, Position und Qualifikation berücksichtigt, reduziert sich die Differenz auf 4,8 Prozent – verschwindet jedoch nicht vollständig.

Was Einkommen beeinflusst

Das Gehalt hängt nicht nur von Branche und Unternehmensgröße ab, sondern auch von Qualifikation und Berufserfahrung. Beschäftigte mit Hochschulabschluss erzielen ein Mediangehalt von 68.250 Euro, ohne akademische Ausbildung sind es 51.200 Euro. Mit mehr als 25 Jahren Berufserfahrung steigt der Median auf 60.000 Euro.

Die vollständige Studie können Sie hier herunterladen

Bildquelle: Pixabay

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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