So manche Selbstständige bereiten sich zwar fachlich auf das Verkaufsgespräch vor und kennen Projekte, Kennzahlen sowie Ansprechpartner, aber dennoch fehlt häufig eine bewusste inhaltliche Ausrichtung für das eigentliche Gespräch. Ohne diese Orientierung verläuft der Austausch schnell routiniert und bleibt unter seinen Möglichkeiten.
Im Rahmen der Vorbereitung lohnt es sich daher, sich zu fragen, welche Veränderung beim Kunden eigentlich angestoßen werden soll. Ebenso entscheidend ist die Frage, welche Risiken der Kunde möglicherweise noch nicht erkannt hat und welche neuen Perspektiven ihm aufgezeigt werden sollten. Diese Überlegungen helfen, das Gespräch noch bewusster zu führen.
Es geht somit darum, nicht nur Lösungen zu präsentieren, sondern Denkweisen des Kunden zu erweitern. Wer dieses erreicht, wird als relevanter Gesprächspartner wahrgenommen. Eine wichtige Voraussetzung für Termine und Aufträge.
Kundenbedarf im Verkaufsgespräch richtig analysieren
Viele Verkäufer erkennen Bedarfe schnell. Das ist ein Vorteil. Gleichzeitig führt das oft dazu, dass zu früh Lösungen präsentiert werden. So manch ein Kunde fühlt sich dann zwar verstanden, aber nicht ausreichend einbezogen. Besser ist es, bewusst länger in der Analyse zu bleiben. Zum Beispiel mit vertiefenden Fragen:
- Welche Auswirkungen hat diese Situation auf Ihre Ziele?
- Was passiert, wenn sich daran nichts ändert?
- Welche Priorität hat dieses Thema aktuell?
Solche Fragen erhöhen die Relevanz und damit Akzeptanz der späteren Lösung.
Die richtigen Fragen im Verkaufsgespräch stellen
Es sollten nicht nur sachliche Fragen gestellt werden, um Fakten zu klären, sondern auch strategische:
- Welche Veränderungen erwarten Sie in Ihrem Markt?
- Wo sehen Sie aktuell die größten Risiken?
- Welche Themen haben intern höchste Priorität?
Diese Fragen öffnen Gespräche auf einer anderen Ebene: Der Verkäufer wird zum Gesprächspartner auf Augenhöhe.
Kunden mit neuen Perspektiven überzeugen
Kunden erwarten mehr als reine Produktinformationen. Sie erwarten Impulse, die ihnen helfen, bessere Entscheidungen zu treffen oder neue Möglichkeiten zu erkennen. Genau hier liegt einer der größten Hebel im Verkaufsgespräch.
Aus Kundensicht ist ein Verkaufsgespräch meist dann gut, wenn dieses für den Kunden mindestens einen neuen Gedanken enthält. Beispielsweise ein Hinweis auf Marktveränderungen, Erfahrungen aus anderen Kundenprojekten, die zeigen, wie vergleichbare Unternehmen Herausforderungen gelöst haben oder auch konkrete Ideen zur Effizienzsteigerung.
Sieht ein Kunde in dem Selbstständigen einen wertvollen strategischen Partner, erhöht dies nicht nur die Kundenbindung, sondern auch die Preisbereitschaft. Darüber beschleunigt eine solche Ebene oft auch die Entscheidungsfreude bzw. Kaufbereitschaft.
Gesprächsführung im Verkauf bewusst steuern
Entscheidend ist nicht nur, was gesagt wird, sondern auch, wie der Kunde reagiert. In der Praxis achten aber so manche Anbieter gar nicht auf die Gesprächsdynamik bzw. auf die Reaktionen ihres Kunden. Sie sind viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt und wollen schlimmstenfalls hemmungslos ihre Präsentation bzw. ihren Lösungsvorschlag „durchziehen“.
Typische Hinweise auf Desinteresse sind, dass der Kunde zurückhaltender wird, weniger nachfragt oder plötzlich das Thema wechselt. Auch kürzere Antworten, ausweichende Formulierungen oder ein Blick auf die Uhr können darauf hindeuten, dass der aktuelle Gesprächsinhalt an Bedeutung verliert. In solchen Momenten ist es sinnvoll, das Gespräch neu auszurichten.
Wer diese Signale früh erkennt, kann gezielt gegensteuern. Eine kurze Nachfrage hilft oft, wieder den richtigen Fokus zu finden. So lässt sich klären, welcher Punkt für den Kunden tatsächlich wichtig ist. Auf diese Weise bleibt das Gespräch relevant und zielgerichtet. Zum Beispiel:
- Darf ich kurz nachfragen, wie relevant dieses Thema für Sie aktuell ist?
- Welcher Punkt ist für Sie gerade besonders wichtig?
So bleibt das Gespräch zielgerichtet. Denn entscheidend ist nicht, was der Verkäufer sagt, sondern was der Kunde denkt. Im Idealfall: „Wenn ich mir das nicht anhöre/diese Lösung nehme, dann begehe ich einen Fehler“.
Verkaufsabschluss frühzeitig vorbereiten
Viele Verkäufer betrachten den Abschluss als letzte Phase. Wichtig ist es jedoch, diesen frühzeitig vorzubereiten. Zum Beispiel durch Fragen wie:
- Wenn wir dafür eine gute Lösung finden, wäre das für Sie interessant?
- Welche Voraussetzungen müssten erfüllt sein?
- Was würde das für Sie bedeuten, wenn Sie hier eine Lösung hätten?
Diese Fragen schaffen Verbindlichkeit.
Häufige Fehler in Verkaufsgesprächen vermeiden
Nicht nur junge, sondern auch erfahrene Selbstständige machen häufig ähnliche Fehler. Sie bieten zu schnell Lösungen an, ohne den Bedarf ausreichend zu hinterfragen. Sie verlassen sich stark auf bestehende Beziehungen und gehen davon aus, den Kunden bereits gut zu kennen. Gleichzeitig setzen sie zu selten neue Impulse und überlassen die Gesprächsführung zu sehr dem Zufall.
Diese Fehler entstehen selten aus mangelnder Kompetenz. Sie entstehen aus Routine. Es ist daher entscheidend, im Gespräch bewusst aufmerksam zu bleiben. Wer gedanklich beim nächsten Termin oder bei internen Themen ist, übersieht wichtige Signale des Kunden.
Erfolgreiche Verkäufer konzentrieren sich vollständig auf ihr Gegenüber. Sie hören aufmerksam zu, um zu verstehen, fragen gezielt nach und bauen so Schritt für Schritt Relevanz auf. Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell zu verkaufen. Es geht darum, den Kunden besser zu verstehen, ihn gedanklich mitzunehmen und gemeinsam Lösungen zu entwickeln.
Auf diese Weise entstehen aus guten Gesprächen entscheidende Gespräche. Gespräche, die für den Kunden echten Mehrwert bieten und für den Verkäufer den Weg zu tragfähigen Entscheidungen ebnen.
Literatur & Weblinks
- „Verkaufen lernen: Dein persönliches Verkaufscoaching -5 wichtige Tipps“: https://www.youtube.com/watch?v=1i6uHTWNi6E
- Schumacher, Oliver: Verkaufen auf Augenhöhe. Wertschätzend kommunizieren und Kunden nachhaltig überzeugen – ein Workbook. Springer Gabler, Wiesbaden 2016, 3. Auflage.
- Schumacher, Oliver: Was viele Verkäufer nicht zu fragen wagen. 110 Tipps für bessere Verkaufsresultate im Außendienst. Springer Gabler, Wiesbaden, 4. überarb. Und erw. Auflage 2019.