Moderne Arbeitswelt

Arbeitzeitmodelle: Definition und Grundlagen

Flexible Arbeitszeiten ermöglichen es, die bei Bedarf anfallende Arbeit unter Berücksichtigung der spezifischen Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeitern einzuteilen. Flexible Arbeitszeit wird immer mehr zu einem Anreizinstrument und strategischen Erfolgsfaktor. 1Vgl. Kutscher, J./Weidinger, M./Hoff, A.: Flexible Arbeitszeitgestaltung. Wiesbaden 1996. Beispielsweise um Fachkräfte anzuwerben, die sich bei Unternehmen bewerben, die flexible Arbeitszeitmodelle anbieten.

Das herkömmliche Arbeiten zeichnet sich durch Pünktlichkeit, Fremdbestimmtheit und Uniformität aus, flexible Arbeitszeitmodelle sind dagegen sehr beweglich, Arbeits- und Betriebszeit sind oft unabhängig voneinander und es existiert asynchrone Anwesenheit der Mitarbeiter. Diese dagegen möchten ihre individuelle Gestaltungsfreiheit durch flexible Arbeitszeiten ermöglicht wissen. Deswegen bezeichnet man dieses Modell auch als autonomieorientierte Arbeitszeitgestaltung. 2Vgl. Baillod, J.: Arbeitszeit. Humanisierung der Arbeit durch Arbeitszeitgestaltung. Stuttgart 1986.

Die Einteilung der Arbeitszeiten kann über flexible Modelle wie Jahresarbeitszeit, Teilzeitarbeit, Gleitzeit oder Job-Sharing erfolgen, um den betrieblichen Erfordernissen gerecht zu werden und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

Flexibilität am Arbeitsplatz kann in drei Kategorien unterteilt werden:

  1. Flexible Arbeitsmodelle, die mehr Spielraum bei der Zeiteinteilung ermöglichen. Dazu gehören flexible Arbeitszeitmodelle wie Gleitzeit oder Schichtarbeit.
  2. Flexible Arbeitszeitmodelle, die neue Arbeitsorte ermöglichen, zum Beispiel durch hybrides Arbeiten oder Homeoffice.
  3. Flexible Arbeitsmodelle, die es dem Arbeitgeber ermöglichen, Arbeitsspitzen durch numerische Flexibilität aufzufangen, z. B. durch die Einstellung von Zeitarbeitskräften.

Verschiedene Arbeitzeitmodelle und ihre Vor- und Nachteile

1. Hybrides Arbeiten und seine Vor- und Nachteile

Hybrides Arbeiten hat sich vor allem seit der Corona-Pandemie etabliert. Dieses Modell ist eine Mischform aus arbeiten im Büro und Remote Work, das heißt arbeiten außerhalb des Büros. In einigen Unternehmen, vor allem Start-ups, können die Beschäftigten selbst bestimmen, von wo aus sie dann arbeiten. Um neue Talente zu gewinnen und wettbewerbsfähig zu sein, sollten Betriebe hybrides Arbeiten anbieten. Dadurch tragen sie langfristig zum Unternehmenserfolg bei.

Vorteilhaft ist, dass die Mitarbeiter weniger gestresst sind, Job und Familie besser kordinieren können und eine ausgewogenere Work-Life-Balance haben. Oft fällt das tägliche Pendeln und der damit verbundene Stress in Staus weg und die eigentliche Freizeit verlängert sich dadurch. Nachteilig ist, dass viele Beschäftigte weniger Kontakt zu ihren Kollegen haben und dass das Management glaubt, dass hybrides Arbeiten sich negativ auf die Produktivität auswirkt, weil viele Beschäftigte oft nur zwei bis drei Tage in der Woche im Büro sind.

2. Homeoffice und seine Vor- und Nachteile

Während der Corona-Pandemie waren plötzlich Millionen von Beschäftigte Zuhause im Homeoffice und für einige von ihnen ist das heute noch der Fall. Ein Gesetz zum Recht auf Homeoffice besteht allerdings nicht. Ob Beschäftigte vom Homeoffice aus arbeiten dürfen, entscheidet der Arbeitgeber. Manchmal ist diese Vereinbarung im Arbeitsvertrag, im Tarifvertrag oder in der Betriebsvereinbarung bereits geregelt.

Die Vorteile für Arbeitnehmer sind hierbei das flexible Arbeiten, die eigene Zeiteinteilung und eine bessere Vereinbarung von Job und Freizeit. Arbeitgeber profitieren davon, dass Büroflächen nicht besetzt sind und sie diese weitervermieten oder Einsparungen durch kleinere Büroräume machen können.

Der Nachteil ist, dass es für viele Beschäftigte manchmal schwierig ist, Familie und Hausarbeit von der eigentlichen Arbeit zu trennen. Sie können sich weniger motivieren und dies führt zum Prokrastinieren. Die Folge sind nachlassende Arbeitseffizienz und das Nicht-Erreichen gesteckter Ziele.

3. Schichtarbeit und seine Vor- und Nachteile

Die Schichtarbeit zählt zu der ältesten Form der flexiblen Arbeitszeitmodelle. Diese wird in verschiedene Zeitabschnitte aufgegliedert, die von verschiedenen Beschäftigten hintereinander wahrgenommen werden. Es gibt unterschiedliche Formen:

  • Mehrschicht-System: Hierbei werden zwei oder mehrere Schichten angeboten. Das bedeutet, dass ein Arbeitsplatz nacheinander zwei oder mehreren Beschäftigten zugeteilt ist.
  • Wechselschicht-System: Bei diesem System wechseln sich die Mitarbeiter zu bestimmten Zeiten ab und routieren täglich, wöchentlich oder monatlich. Das heißt es gibt eine Früh-, eine Spät- und eine Nachtschicht.
  • Einschicht-System: Hierbei wird gemäß der Betriebs- oder Öffnungszeiten eines Unternehmens genau in einer festen Schicht gearbeitet. In der Regel zeichnet sich ein Einschichtbetrieb dadurch aus, dass in einer betriebsspezifischen Tagschicht gearbeitet wird.

Bevorzugt wird die Schichtarbeit beispielsweise in der Automobilindustrie wahrgenommen. Dadurch, dass Schichtzuschläge gezahlt werden, ist diese Form des Arbeitens finanziell gerne gesehen. Doch bei vielen überwiegen oft die Langzeitfolgen, wie beispielsweise Schlafstörungen oder eingeschränkte soziale Kontakte bei Nachtschichten.

4. Teilzeitarbeit und seine Vor- und Nachteile

Bei der Teilzeitarbeit arbeiten Mitarbeiter einige Stunden am Tag oder in der Woche, weniger als Vollzeitbeschäftigte. Die rechtliche Grundlage ist das am 1. Januar 2001 in Kraft getretene Gesetz über Teilzeitarbeit und befristete Arbeitsverträge (TzBfG). Früher haben oft Mütter in Teilzeit gearbeitet, mittlerweile ist der Wunsch zur Teilzeitarbeit bei vielen Beschäftigten der Fall.

Privat- und Berufsleben sind bei Teilzeitarbeit besser vereinbaren kann. Der Nachteil kann dadurch entstehen, wenn ein Mitarbeiter nur für eine bestimmte Zeit in Teilzeit geht, wie beispielsweise aufgrund von Kindererziehung. Denn: Wenn er wieder in Vollzeit arbeiten möchte, heißt das nicht unbedingt, dass ihm genau die gleiche Stelle zugewiesen wird. Auch die Karrierechancen sehen bei Beschäftigten in Teilzeit anders aus: Sie werden gegenüber Vollzeitbeschäftigten nach wie vor benachteiligt, wenn es um den Aufstieg auf der Karriereleiter geht.

5. Altersteilzeit

Mit der Altersteilzeit ist der langsame Übergang von Arbeitnehmer:innen in die Rente geregelt. Sie können diese ab 55 Jahren wahrnehmen, wenn sie in den letzten 5 Jahren 1080 Kalendertage sozialversicherungspflichtig in Voll- oder Teilzeit gearbeitet haben. Dies ist im Altersteilzeitgesetzt (AltTZG) festgeschrieben, es gibt aber keinen rechtlichen Anspruch darauf. Die Arbeitszeit wird um die Hälfte gekürzt und das Gehalt halbiert. Der Arbeitgeber ist verpflichtet, 20 % des halbierten Gehaltes aufzustocken.

Altersteilzeit bietet einen bequemen Übergang in die Rente. Vor allen Dingen für Menschen, die viel gearbeitet haben, kann sie eine Entlastung sein: Man hat mehr Zeit für die eigene Gesundheit und für Freizeitaktivitäten, ohne dass die Arbeit, die einem jahrelang eine Struktur und Anerkennung gegeben hat, gleich wegfällt. Allerdings erfolgt dadurch eine geringerer Rentenanspruch, obwohl der Arbeitgeber zusätzliche Beiträge in die Rentenkasse einzahlt.

6. Vertrauensarbeitszeit und ihre Vor- und Nachteile

Hier „vertraut“ der Arbeitgeber, dass die Arbeitnehmer ihre Projekte eigenständig erledigen – gemäß ihrer eigenen Zeiteinteilung. Überstunden werden oft nicht vergütet, weil man sie bei Vertrauensarbeitszeit bisher nicht festhielt. Allerdings: Mittlerweile ist die Arbeitszeiterfassung Pflicht. Ende 2022 fällte das BAG das Urteil (BAG, Urteil v. 13.09.2022 (Az. 1ABR 22/21), dass Arbeitgeber ein „objektives, verlässliches und zugängliches System“ einführen müssen, „mit dem die von den Arbeitnehmern geleistete tägliche Arbeitszeit gemessen werden kann“. Dieses Urteil basierte auf ein EuGH-Urteil aus dem Jahre 2019. Das Modell der Vertrauensarbeitszeit ist weiterhin möglich. Entscheidend ist, dass Höchstdauer und Ruhezeiten im Arbeitsvertrag festgelegt werden müssen.

Dieses Modell ermöglicht den Beschäftigen viel Eigeninitiative und die Möglichkeit ihren Arbeitstag selbst zu gestalten. Schwer ist es für Mitarbeitende, die sich selbst nicht motivieren können und eine Struktur von außen, das heißt einen strukturierten Tagesablauf, haben müssen. In der Regel haben Führungskräfte Vertrauensarbeitszeit. Dies führte allerdings in der Vergangenheit oft zu längerem Arbeiten, unbezahlten Überstunden und weniger Freizeit.

7. Job-Sharing und seine Vor- und Nachteile

Dies ist eine besondere Art der Teilzeitarbeit, bei der sich zwei oder mehrere Mitarbeiter einen Arbeitsplatz teilen. Es kann eine zeitliche Arbeitsteilung sein, bei der die Job-Sharer zu unterschiedlichen Zeiten am Arbeitplatz erscheinen. Oder es kann eine funktionale Arbeitsteilung sein, bei der jeder der Beschäftigten ein anderes Aufgabenprofil hat (zum Beispiel baldige Rentner, die an junge Arbeitnehmer ihr Wissen weitergeben).

Positiv ist beim Job-Sharing, dass eine bestimmte Stelle immer besetzt ist. Allerdings kann es zu Kompikationen im Job führen, da es immer zwei oder mehrere Ansprechpartner für Führungskräfte, Kollegen und Kunden gibt. Diese müssen sich auch immer genau absprechen, damit alle Job-Sharer genau über jegliche Projekte informiert sind.

7. Gleitende Arbeitszeit und ihre Vor- und Nachteile

Bei der Gleitzeit ist eine bestimmte Kernzeit festgelegt, bei dem die Beschäftigten im Büro anwesend sein müssen. Ansonsten können Sie die Zeit frei bestimmen, wann Sie kommen und gehen. Hat er Überstunden, werden ihm diese ausgezahlt oder ein Ausgleich findet durch zusätzliche Urlaubstage statt.

Gleitzeit ist in Büros beliebt, da jeder Beschäftigte seine Arbeitszeit seinem Biorhythmus anpassen kann. Der Nachteil ist, dass man ganz genau auf seine Stunden achten sollte, damit man keine Minusstunden anhäuft, die wieder zu längerem Arbeiten an anderen Tagen führen.

Fazit

Flexible Arbeitszeitmodelle bieten Unternehmen und Mitarbeitern die Möglichkeit, die Arbeit nach individuellen Bedürfnissen und betrieblichen Erfordernissen einzuteilen. Sie werden zunehmend als Anreizinstrument und strategischer Erfolgsfaktor eingesetzt, um Fachkräfte anzuziehen und die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu erleichtern.

Die verschiedene Formen flexibler Arbeitszeit haben alle ihre eigenen Vor- und Nachteile, die sowohl für Arbeitgeber als auch für Arbeitnehmer zu berücksichtigen sind. Sie sind auch abhängig von der Art der Arbeit: Nachtschicht im Büro macht wenig Sinn, aber bei einem Automobilhersteller in der Produktion um so mehr. In der aktuellen Arbeitswelt gewinnt flexible Arbeitszeitgestaltung immer mehr an Bedeutung und wird zukünftig zunehmend relevanter werden.

Litaratur

  1. Holtbrügge, Dirk: Personalmanagement, 7. Auflage. Springer Verlag GmbH, Deutschland 2018.
  2. Bundesministerium für Arbeit und Soziales: www.bmas.de/DE/Arbeit/Arbeitsrecht/Teilzeit-flexible-Arbeitszeit/Teilzeit/altersteilzeit-artikel.html
  3. Bath, Johanna (Hrsg.), Winkler, Katrin (Hrsg.): Hybrides Arbeiten in Unternehmen: Wie HR Hybrid Work erfolgreich organisiert und weiterentwickelt. Haufe 2024.
  4. IHK Pfalz: www.ihk.de/pfalz/recht/arbeitsrecht/spezielle-beschaeftigungsverhaeltnisse/homeoffice-4921780
  5. Crone, Marcus: Durchstarten im Homeoffice – die Zukunft der Arbeit: Wie Sie die Konzentration aufrechterhalten, effektives Zeitmanagement betreiben und die Vorteile der Heimarbeit für Ihren Erfolg nutzen. J. Loewenstein International GmbH. Berlin 2022.

Bildnachweis: ©Pixabay

Einzelnachweise

  • 1
    Vgl. Kutscher, J./Weidinger, M./Hoff, A.: Flexible Arbeitszeitgestaltung. Wiesbaden 1996.
  • 2
    Vgl. Baillod, J.: Arbeitszeit. Humanisierung der Arbeit durch Arbeitszeitgestaltung. Stuttgart 1986.
Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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