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Teamfähigkeit: Definition, Grundlagen + Beispiele

Finden Sie heraus, warum Teamfähigkeit eine unerlässliche Kompetenz in der modernen Arbeitswelt ist. Unser Fachartikel enthüllt nicht nur die Definition und Bedeutung von Teamfähigkeit, sondern stellt auch greifbare Beispiele und effektive Strategien vor, um diese entscheidende Ressource zu erwerben und zu stärken.

Definition: Was ist Teamfähigkeit?

Teamfähigkeit ist die Fähigkeit zur erfolgreichen Arbeit im Team und zum Beitrag zum Erfolg des Unternehmens zum Nutzen aller Beteiligten. Damit ist das Zusammenwirken der Arbeitsgruppe zur Erreichung eines gemeinsamen Ziels gemeint. Menschen mit hoher Teamfähigkeit sind in der Lage, ihr Potenzial in der Gruppe optimal zu entfalten, im Gegensatz zu Einzelkämpfern. Eine der am häufigsten geforderten Schlüsselqualifikationen ist die Teamfähigkeit.

Ein wichtiger Aspekt der Teamfähigkeit ist die Fähigkeit zur Kooperation, das heißt erfolgreich zusammenzuarbeiten. Teamfähigkeit ist neben Kommunikationsfähigkeit eine häufig geforderte Schlüsselqualifikation. Kommunikationsfähigkeit und Teamfähigkeit sind eng miteinander verknüpft und bedingen sich gegenseitig.

Es ist wichtig, dass die Teammitglieder über ausreichende kommunikative Fähigkeiten verfügen, damit eine Zusammenarbeit erfolgreich verläuft. Die Fähigkeit zur Teamarbeit gehört zu den wichtigen Soft Skills. Diese Fähigkeiten sind oft nicht durch Schulungen oder Kurse erlernbar, sondern müssen durch Erfahrungen in der Praxis gefördert werden.

Welche Rollen gibt es im Team?

Im Rahmen seiner Tätigkeit am Henley Management College erstellte der Psychologe Meredith Belbin ein Rollenmodells für einzelne Mitgleider im Team. Belbin differenziert hierbei neun Teamrollen, die er – basierend auf ihren Merkmalen in die drei Hauptkategorien Handlung, Wissen und Kommunikation einordnet. Jede Rolle hat ihre eigenen Vorzüge und Nachteile. Wenn die einzelnen Charaktertypen jedoch richtig kombiniert werden, können sie ihre jeweiligen Stärken und Schwächen ausgleichen – dies ist das Erfolgsgeheimnis dieses Modells.

Handlungsorientierte Teamrollen

  1. Der Macher: Er liebt schnelles, agiles Handeln und Hindernisse sind für ihn lediglich Herausforderungen. Allerdings neigt er zur Ungeduld.
  2. Der Umsetzer: Dieser Typ Mensch schmiedet konstruktive Pläne, die er diszipliniert in die Tat umsetzt. Seine Schwäche ist, dass er selten von seinen Plänen abweichen möchte.
  3. Der Perfektionist: Derjenige, der diese Teamrolle inne hat, überprüft gewissenhaft, ob alles bis zum Ende ordentlich durchgeführt und realisiert wird. Er tendiert allerdings zur zwanghaften Kontrolle des Teams.

Wissensorientierte Teamrollen

  1. Der Spezialist: Er besitzt große Fachkenntnisse zu vielen Arbeitgebieten, das er gerne teilt und die ein Projekt entscheidend weiterführen können. Aufgaben kann er nur schwer Aufgaben delegieren und ist zu sehr detailorientiert.
  2. Der Erfinder: Jede Menge kreative Ideen und unkonventionelle Lösungsansätze hat der Erfinder im Kopf. Allerdings hält es sich ungern an Vorgaben.
  3. Der Beobachter: Diese Sorte von Mensch hinterfragt gerne und glänzt durch sein analytisches Denkvermögen. Doch kann er durch seine Art auch demotivierend auf das Team wirken.

Kommunikationsorientierte Teamrollen

  1. Der Koordinator: Er ist der perfekte Teamleiter, der Arbeitsabläufe kontrolliert und steuert. Seine Stärken sind gutes Zuhören und lösungsorientiertes Handeln. Seine Schwäche ist, das er immer und überall die Kontrolle haben muss.
  2. Der Teamarbeiter: Durch seine Kooperationsfähigkeit mit anderen Teammitgliedern sticht der Teamarbeiter hervor. Er agiert immer diplomatisch. Ihm fällt es allerdings schwer, eigene Entscheidungen zu treffen.
  3. Der Wegbereiter: Dieser Typ Mensch kann sehr gut nach außen hin verhandeln. Er ist ein guter Kommunikator, der manchmal aber sein eigentliches Ziel aus den Augen verliert.

Merkmale der Teamfähigkeit

  1. Zusammenarbeit: Ein Teammitglied kann effektiv und respektvoll mit seinen Kollegen zusammenarbeiten, um gemeinsame Ziele zu erreichen.
  2. Kommunikation: Gute Teamarbeit erfordert klare, effektive Kommunikation. Die Teammitglieder sollten in der Lage sein, ihre Ideen und Bedenken offen zu äußern, und gleichzeitig aufmerksam zuhören und das Feedback anderer anerkennen.
  3. Konfliktbewältigung: Konflikte können in einem Team unvermeidlich auftreten. Teamfähige Personen können Konflikte konstruktiv lösen und darüber hinweg zu einer effektiven Lösung finden, um den Teamerfolg zu gewährleisten.
  4. Problemlösung: In einem Team setzen sich die Mitglieder oft gemeinsam Problemlösungsstrategien ein, um Hindernisse zu überwinden und Ziele zu erreichen.
  5. Flexibilität: Ein guter Teamspieler ist flexibel und in der Lage, sich an veränderte Umstände oder neue Anforderungen anzupassen.
  6. Zuverlässigkeit: Sie gilt als eine der wichtigsten Eigenschaften eines Teamspielers. Er oder sie sollte in der Lage sein, Aufgaben termingerecht zu erledigen und die Ergebnisse zu liefern, die das Team braucht.
  7. Respekt: Jedes Teammitglied sollte die Fähigkeiten, Beiträge und Ideen der anderen respektieren.
  8. Verantwortung: Jedes Mitglied eines Teams sollte seine Rolle und Aufgaben anerkennen und aktiv, verantwortungsbewusst und engagiert dabei mitwirken.
  9. Koordinationsfähigkeit: In einem Team ist es entscheidend, dass Mitglieder ihre Aktivitäten und Bemühungen koordinieren können, um Ziele gemeinsam zu erreichen und Überlappungen oder Missverständnisse zu vermeiden.
  10. Kompromissfähigkeit: Im Team sollte man fähig sein, Kompromisse mit anderen Teammitgliedern eingehen zu können. Einzelkämpfer sind nicht gefragt.
  11. Unterstützung: Ein Team funktioniert am besten, wenn die Mitglieder sich gegenseitig helfen und ermutigen. Sie sollten bereit sein, bei Bedarf Unterstützung anzubieten und um Hilfe zu bitten.
  12. Konfliktlösungskompetenz: Kommen Streitigkeiten auf, sollte man gemeinsam nach einer Lösung suchen, die vielleicht nicht immer alle aus dem Team zufrieden stellt, aber doch im Idealfall einen großen Teil.
  13. Konstruktive Kritik: Ein effektives Teammitglied sollte in der Lage sein, konstruktive Kritik zu geben und zu akzeptieren, um das Team und seine Leistung stetig zu verbessern.
  14. Entscheidungsfindung: Teamfähigkeit erfordert auch die Fähigkeit, Entscheidungen zu treffen, die in Übereinstimmung mit den Zielen und Prioritäten des Teams stehen.

Förderung der eigenen Teamfähigkeit im Job

Zunächst sollte Sie eine kurze Selbstanalyse in Bezug auf Ihre Teamfähigkeit durchführen. Schauen Sie sich Ihre Stärken und Schwächen an. Sind Sie beispielsweise ein Alphatier und möchten immer die Führung im Team übernehmen, trainieren Sie daran, auch mal anderen Entscheidungen zu überlassen. Wer dagegen beispielsweise zu perfektionistisch veranlagt ist, sollte lernen, die Fähigkeiten der anderen Teammitglieder bewusst wahrzunehmen und deren Fehler zu akzeptieren.

Folgende Eigenschaften können Sie trainieren, um Ihre Teamfähigkeit zu fördern und auszubauen:

  1. Konstruktive Kritik geben: Lernen Sie, konstruktiv zu kritisieren, ohne die Persönlichkeit Ihres Gegenüber zu verletzen. Das geschieht dadurch, dass Sie Sachverhalte objektiv darstellen ohne persönlich zu werden. Trainieren Sie das in Ihrer Partnerschaft oder im Bekannten- und Freundeskreis: Wenn Sie kritisieren, bleiben Sie beim Sachverhalt und greifen Sie Ihr Gegenüber nicht als Person an.
  2. Vom Einzelkämpfer-Dasein verabschieden: Arbeiten Sie im Team, im Miteinander und schalten Sie Ihr Konkurrenzdenken ab. Nur gemeinsam können Projekte effizient und erfolgreich realisiert werden. Trainieren Sie privat in Vereinen und üben Sie beispielsweise Gemeinschaftssportarten wie Basketball aus. Hier merken Sie schnell: Nur gemeinsam gelangt man zum Sieg, Einzelkämpfer sind hier fehl am Platz.
  3. Kommunikation fördern: Trainieren Sie, offen zu kommunizieren. Teilen Sie Ihre Gedanken und Arbeitsschritte den anderen Kollegen mit und holen Sie sich ggf. Rat ein. Eine offene Kommunikation ist die Grundlage für beruflichen Erfolg. Hier können Sie sich den sogenannten Teamarbeiter, wie er in dem oben erwähnten Rollenmodell von Meredith Belbin beschrieben wird, aus Ihrem Kollegenkreis als Vorbild nehmen und genau beobachten, wie er diplomatisch agiert.
  4. Kompromisse machen: Üben Sie, die Meinung der anderen im Team zu akzeptieren und lernen Sie, nicht mit der Brechstange Ihre Ansichten durchzusetzen, sondern machen Sie Kompromisse. Beobachten Sie hierfür andere Leute im Team oder in Nachbarabteilungen. Sie werden merken, dass oft dort, wo Kompromisse gemacht werden, auch die besseren Arbeitsergebnisse zustande kommen.
  5. Schwächen akzeptieren: Im Berufsalltag sieht man schnell die Schwächen der Kollegen, da man jeden Tag mit den anderen zu tun hat. Es ist wichtig, dass Sie sich angewöhnen, diese Schwächen zu akzeptieren. Denn auch Sie wissen von sich selbst, dass kein Mensch perfekt ist und: Sie möchten ebenfalls mit Ihren Schwächen angenommen werden.

Teambuildingmaßnahmen und -prozesse

Jede Abteilung in einem Unternehmen strebt ein gut funktionierendes Team an, denn so können Arbeitsabläufe effizient durchgeführt und Projekte erfolgreich realisiert werden. Welche Maßnahmen sollte ein Betrieb durchführen, um gute Teammitglieder zu gewinnen und diese Fähigkeit auszubauen?

  1. Assessmentcenter: Mittlerweile nutzen Unternehmen Assessmentcenter nicht ausschließlich für die Gewinnung von neuen Führungskräften, sondern auch für Fachkräfte, mittlerweile ebenfalls im Nachwuchsbereich. Hier prüft man die Teamfähigkeit der Neulinge und Ihre Erwartungen an den Arbeitgeber. Allerdings wird dies im Assessmentcenter mittlerweile nicht primär durch Gruppendiskussionen getestet, sondern man nutzt eigenschaftsorientierte Instrumente, wie beispielsweise Persönlichkeits- oder Intelligenztests. Auch Online-Assessments setzt man ein. Hierbei werden computergestützte Methoden mit unterschiedlichen Aufgabenstellungen und herkömmliche Methoden eines Assessmentcenters kombiniert. Die Teamfähigkeit von Bewerbern kann dadurch geprüft werden.
  2. Multimodale Interviews: Diese Art von Vorstellungsgesprächen zeichnen sich dadurch aus, dass sie auf einem eigenschafts- und verhaltensorientierten Ansatz basieren. Auch die Team- und Kommunikationsfähigkeit des Bewerbers werden hierbei überprüft. Multimodale Interviews sind objektiver und weniger emotional wie herkömmliche Bewerberinterviews.
  3. Workshops und gemeinsame Events: Viele Betriebe bieten unterschiedliche Teambuildingsmaßnahmen an, die den Teamgeist und die Gemeinsamkeiten fördern. Dies können Workshops, wie beispielsweise Theater-Workshops, sein. Genauso zählen aber auch dazu gemeinsame iPadRalleys, das Pendant zur Schnitzeljagd, oder Geocaching. Ebenfalls können traditionelle Events, wie zum Beispiel Eisstockschießen im Winter, die Teamfähigkeit unterstützen.

Literatur

  1. Heinrich, Anika, Wall, Jennifer: Das Modell nach Belbin, Grin Verlag 2013.
  2. Groß, Matthias, Stock-Homburg, Ruth: Personalmanagement, Theorien-Konzepte-Instrumente, S.221-23, Springer Gabler, 4. Auflage, Wiesbaden 2019.
  3. Marcus, B., Schuler, H.: Leistungsbeurteilung, in H. Schuler (Hrsg.): Lehrbuch der Personalpsychologie, Hogrefe, 2. Auflage, Göttingen 2006.

Bildnachweis: ©Pixabay

Porträtfoto von der Journalistin Carolin Fischer

Carolin Fischer ist Gründerin des Online-Magazins Karriere NOW, selbstständige Journalistin und spezialisiert auf die Themen Karriere, Softskills, Selbstmanagement und Business. Zuvor hat die Kommunikationsexpertin bei der Süddeutschen Zeitung in München gearbeitet und für ein Politmagazin des ZDFs.

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